Die Grottenolm-Debatte

♫ The Rock Steady Crew: Hey! You! (The Rock Steady Crew)
Zum Fall Axolotl Roadkill so kurz es mir möglich ist und vorab drei Punkte, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: 1. Ich habe das Buch nicht gelesen. 2. Ich halte es für möglich, sogar wahrscheinlich, dass es ein stilistisch interessantes und gutes Buch ist. 3. Helene Hegemann möchte selbst nicht „als 17-Jährige“ betrachtet werden, wie sie immer wieder sagt, also werde ich dies hier auch nicht tun, kein Adoleszenz-Bonus. Es geht hier auch nicht um das Buch als Werk, sondern ganz nüchtern um eine Instant-Minimal-Analyse der Debatte als solcher. Mein Eindruck: Die Debatte ist noch interessanter als das Buch.
Setzen wir als halbwegs bekannt voraus: Es gibt Kritiker und Fürsprecher des Buches – und der Streit um den „Axolotl“ dreht sich im Wesentlichen um das Recht oder Unrecht, zahlreiche Ideen/Formulierungen/Halbsätze von anderen, weitgehend unbekannten Subkultur-Autoren zu übernehmen (aus deren Büchern bzw. Blogs leicht modifiziert zu entwenden). Manche Erklärer verteidigen jenes „Sampling-Prinzip“, das Hegemann angewendet hat, als legitime Form des „Pop“ – und betrachten die Tatsache, dass die Original-Urheber zunächst übergangen wurden, letztlich als Marginalie. Sie tun dies überwiegend in einem Tonfall, in dem ein Appell für „die Freiheit der Kunst“ mitschwingt: Helene Hegemann habe doch nur gePOPt: „Das liest sich doch geil, was soll’s, heute wird doch überall geklaut, that’s the business!“
Halten wir, mal ganz von außen, oben, wo auch immer betrachtet, fest: Da ist also auf der Seite A) der „Axolotl“-Produzenten-Komplex aus marktmächtigem Mainstream-Verlag (Ullstein), einflussreichster Literaturagentur des Landes (Eggers & Landwehr) sowie dem Berliner Kultur-Glaubwürdigkeits-Establishment (die “Volksbühnen”-Nähe der Autorin Hegemann, die im Subtext stets als “credibility”-Faktor mitraunt). Auf der anderen Seite, B), der Low- bis No Budget-Indie-Verlag Sukultur (in dem das dubios in „Axolotl“ zitierte Buch „Strobo“ erschienen ist) sowie der beinahe-anonyme Autor Airen als einer der eigentlichen Ur-Ur-Heber des Erfolgsbuchs „Axolotl“.
Manche Leute lassen nun anklingen (manche davon selbst in der ersten Liga des Betriebs kickend, einige wenige in gewisser Eggers & Landwehr-Nähe, die Mehrzahl jedenfalls Berlin-Establishment-affin): „’N bisschen abschreiben ist doch okay, nu’ habt Euch mal nicht so!“ und: „Der kleine Indie-Verlag hat doch jetzt auch ein bisschen Ruhm, die sollen doch froh sein, dass sich die Leute nun für deren Kram interessieren, ist letztlich doch eine Ehre!“ Unter Verweis auf den “Pop” in der Monstranz, unter Verweis auf einen plakativ vor sich her getragenen “Pop”-Begriff also, werden die Komplexe “Fairness” und “Respekt vor den Kunstwerken anderer” leichthin vom Tisch gewischt. Denn Hegemann gilt einem bestimmten Milieu als Sympathieträgerin. Ob dieselben Kommentatoren eben so viel Verständnis aufbrächten, wenn Frank Schätzing für seinen nächsten Unterwasserkatastrophenroman von einem australischen SciFi- Indie-Blog abschriebe?
Diejenigen, die sagen: “Lasst die Kleine doch mal! Alles halb so wild!”, diese Leute argumentieren – kühl ausformuliert und ganz streng auf einen ganz knappen Punkt zuende gedacht – so: Ein (uns) überzeugendes End-Produkt (wie der „Axolotl“) rechtfertigt die Ausbeutung der Indie-Produzenten (des “Strobo”-Autors). Eine ganz schön DURCHFLEXIBILISIERTE DENKE – auch wenn sie noch so romantisch daher kommen mag. Zudem ganz auf der Höhe der Zeit: Da kämpft man auf der Seite der ganz Großen – und bildet sich selbst doch ein und schlägt einen Ton an, der manchmal fast so klingt, als kämpfte man auf Seiten der Kleinen. Ein uralter Trick des Establishments. Nichts Neues also.
Und noch einmal: Es geht, jedenfalls in diesem Blog-Beitrag, weder um die literarische Qualität des Buches, noch um den Sympathiefaktor der Autorin. Es geht einzig und allein: UMS PRINZIP. Denn im Herzen bin ich zutiefst konservativ, zwar katholisch erzogen, doch weithin protestantisch im Geiste, und es ist so: Wenn Bestechlichkeit im Raum hängt, muss ich einfach lüften.
Das Foto des Axolotl oben wurde der Webseite tripbase.com entnommen.
Euphorie im Alltag | Stichworte: Axolotl Roadkill, Berlin, Cliquen, Debatten, Establishment, Hasswort Pop, Knautschlack-Bohème, Literatur, Moral und anderes schweres Zeugs, Pseudo-User, Strobo, Sukultur, Ullstein ♥ 13 Leserbriefe »
Hallo Katja, schön, dass Du dich ums “Prinzip” kümmerst – so sehe ich es auch. Wir haben die Axolotl-Affaire auch heute bei uns im Blog aufgegriffen. http://visuellepr.wordpress.com/2010/02/17/intertextualitat-oder-plagiat/
ach gottchen…
Liebe Katja,
es geht doch schon lange nicht mehr um die von dir beschworene “Authentizität”, bzw. Underground vs. Establishment. Warum müssen denn Texte, die nicht im bürgerlichen Mainstream zuhause sind, immer gleich “authentisch” und aus erster Hand berichten? Helene Hegemann hat sich nicht nur bei Airen bedient, sondern auch an der Theorie-Bowle der Volksbühnen-Clique genippt. “Axolotl” ist ja auch kein Buch übers “Berghain” und/oder über crazy Drogen. Airen erzählt aus seinem komisch kaputten Alltag, HH dagegen erzählt UND reflektiert auch noch gleichzeitig darüber. Und, glaub’ mir, es sind die zwischen klug und altklug schwankenden Reflexionen, die den Reiz des Buchs ausmachen. Credibility spielt hier gar keine Rolle (warum auch?) – Talent allerdings schon.
Lustig, dass du Schätzing erwähnst: Am Samstag hat mir ein Redakteur von “Mare” erzählt – im Rahmen einer launigen Diskussion über unser derzeitiges Lieblingsbuch – dass Schätzing für “Der Schwarm” tatsächlich eine Passage bei Mare abgekupfert hat. Man hat sich aber offenbar schnell geeinigt – ohne Geld.
Warum denn auch nicht, diese ganzen Texte sind schließlich da – im Internet in Büchern, in der Wurstwerbung. Soll man da denn wirklich immer wieder nur aus sich selbst schöpfen, anstatt Bezüge herzustellen, zu den tausend anderen Plateaus da draußen? Der Autor, diese durch und durch romantische Figur, muss in Frage gestellt werden, sonst wird er zum Schamanen eines neuen Biedermeiers. HH hat das in ihrem wirklich durch und durch tollen Buch getan. Deshalb sollte man es lesen und nicht irgendein Prinzip daran fest machen, das zudem ein ökonomisch moralisches ist: Sie hat geklaut! Pfui!! Und das auch noch, bei einer ganz armen Sau!!! Obwohl: Airen dürfte momentan eigentlich ganz zufrieden sein…;-)
Ich empfehle in diesem Zusammenhang auch die Arbeit der Popgruppe The KLF (Kopyright Liberation Front). Oder ein Nachdenken über den Künstler Elvis Presley, dem vorgeworfen wurde, er habe seine Karriere auf dem krummgespielten Rücken afroamerikanischer Baumwollpflücker, bzw. deren Musik aufgebaut.
Aber du hast schon recht, es ist eine spannende Diskussion, die mir zur Zeit allerdings noch zu sehr auf die Rahmenbedingungen und die Moral abhebt: “All samples cleared”. Aber, wie Freund Dirk von Lowtzow sagen würde, eines ist doch sicher: 1:1 ist längst vorbei. Und deshalb kann man HH und Airen eigentlich gar nicht vergleichen.
Herzliche Grüße
Jürgen
Lieber Jürgen, ein Füllhorn spannender Gedanken in Deinen Zeilen. „Der Autor als romantische Figur” oder gar „Biedermeier” – absolutes NO NO NO! “Intertextualität”: Aber ja – bitte, gerne! Was habe ich nicht selbst schon alles gesampelt, vor allem in Generation Ally (non-Fiction) – sogar in den Herzschmerzen (Fiction). Der eine, feine Unterschied – und den möchte ich nicht von lauter Hipness-Floskeln überblättert sehen: Die Quellen benennen – und die Intertextualität sichtbar machen. Wenn Elvis Presley mit einem Arthur Crudup-Song berühmt wird („That’s allright Mama”), dann steht da ”Crudup” in den Credits. So einfach ist das. Außerdem zwischen “Bezüge herstellen”, wie Du es nennst, auf eine transparente Art, die auch einen horizonterweiternden Mehrwert hätte und verstecktem Abkupfern besteht halt doch ein Unterschied.
ANSCHLUSSFRAGE zum leidigen Geld-Thema außerdem: Wie wollen ”wir” (also: wir alle) denn künstlerische Leistungen künftig bezahlen? Alle Musikstücke, alle Texte in einen Staatspool geben, aus dem jeder frei nehmen kann, was er will – und den Urhebern ein Einheitssalär auszahlen, also quasi: volkseigene Schriftsteller und Komponisten? Ohne jedes weitere Recht an ihren Werken? Nach dem Motto: ”einmal veröffentlicht – selbst Schuld”, jeder hat jetzt gratis-Zugriff? Der POOL, aus dem ”Intertextualität” schöpfen kann, ist aus ”Arbeit” entstanden (schreiben, musizieren, malen). Es geht, ganz blaumannmäßig, schon darum: Who pays for what? Die Axolotl-Debatte fällt ja auch in eine Zeit, in der das Urheberrecht von Google u.a. gerade ausgehöhlt wird. Mag schon sein, ich höre/lese selbst, dass ein Quäntchen „Besitzstandswahrung” aus meiner Argumentation tropft. Das stimmt schon. Ist aber real vorhanden: Die Befürchtung der fahrlässig laxen total Vermarktisierung/Hyper-Flexibilisierung auch von der Ware ”Inhalt” – alles hier halt nur im fashionable Culture-Segment schick verbrämbar als ”Fight for the sake of art”.
Bin mir sehr bewusst, dass mein Standpunkt ”Retro-Style” ist, not at all ”State of the art”. And: I don’t give a damn.
Nachklapp: UND es geht AUCH darum, WER, WAS WANN und in welchem Zusammenhang gesagt hat. Natürlich besteht ein Unterschied zwischen Elvis Presley und Arthur „Big Boy Crudup”, um beim Beispiel zu bleiben. Sie sprechen (singen) denselben Text – in unterschiedlichen Kontexten. DAS erzählt doch viel: wer, wann, warum. Wenn wir, umgekehrt, nur frei schwimmende, symbolhafte Versatzstücke herumschwimmen sähen … dann ist niemand mehr ansprechbar/anfassbar – dann wird der „Text” ein reines l’art pour l’art, bloß noch Deko-Material für verschieden gehäkelte Tischdeckchen. Auch als Leserin/Mensch möchte ich wissen: WER sagt etwas – warum jetzt, warum in jenem Tonfall. Du hast Recht: Der ”Axolotl” ist nicht Kern des Problems, eher ein Symptom. Und es geht jetzt schon um eine Theorie. Und das DÜMMSTE überhaupt ist es, mit Verlaub, ”den Verlust aller Ideologien” (weiter) zu feiern, und auch das nur noch als hohle, x-fach gesampelte Phrase ….
Viele Rezensenten haben sich kritiklos an einem Genie-Hype beteiligt, der etwas über den Zustand des Feuilletons aussagt. Die FAZ hat eine lange Vergleichs-Liste mit sehr vielen fast wortwörtlich abgekupferten Sätzen und Wortkombinationen veröffentlicht.
Keiner der im Feuilleton über das “Genie” jubelnden hätte je den “Originalroman” aus dem kleinen Sukultur Verlag je bemerkt oder sich etwa getraut ihn derart hochzuloben – selbst wenn er das Meisterwerk des Jahrhunderts gewesen wäre.
Die Medien brauchen die Absicherung (großer Verlag, Tochter des berühmten Dramaturgen etc.). Also, das Ganze sagt sehr wohl etwas über den Medienbetrieb und seine Struktur aus. Wenn Hegemann Sätze wie “fickte mir stundenlang in den Mund” (Szene aus dem Berghain) wortwörtlich vom Original abschreibt (siehe FAZ) , ist das nicht “Copy and Paste”, sondern sie realisiert eigentlich als “Minderjährige” die in der Realität den Club nicht einmal betreten darf, ein Stück weit als “aktiv Beteiligte” Kinderpornographie oder Lolita-Phantasie, die gleichzeitig gesellschaftlich gebranntmarkt wird. Its a mens world.
Wer den Textvergleich in der FAZ liest, hat keine Lust mehr, ihr “Meisterwerk” zu lesen. Nicht etwa, weil die junge Abschreiberin dafür hätte tatsächlich stundenlang ficken müssen, sondern weil alles plötzlich so unsexy und altklug wirkt, so berechnend.
Merci auch für Ihren Beitrag, Mr. Müller. ”Berechnend” scheint mir hier ein Schlüsselbegriff zu sein.
Airen im STERN-Interview:
„Strobo ist in einem Underground-Verlag erschienen. (…) Wir haben nicht in den Maßstäben eines Major-Verlags gedacht. Helene war schon vor Axolotl keine Unbekannte im Kulturbetrieb. Sie hatte daher einen leichteren Zugang zu den Kritiken des Feuilletons.”
„Kein anständiger Blogger kopiert Textpassagen, ohne die Quelle zu nennen. (….) Hier ist Copy-and-Paste ein absolutes No-Go. (…) Dass man angibt, wen man zitiert, ist Commonsense. (…) Im Milieu der elektronischen Musik werden bei Mash-ups und Remixen immer der Remixer und die Originalquelle angegeben. Warum sollte es in der Literatur anders sein?”
Quelle: http://glamourdick.twoday.net/20100213/:
Die Antwort auf eine Interviewfrage, die leider nicht in Print endete, fasst diese Woche sehr treffend zusammen. “Airen, sind Sie jetzt angesichts des Erfolgs Ihres Buches nicht Helene Hegemann auch ein bisschen dankbar?” “Nein. Ich bin Deef Pirmasens dankbar.”
Was mich inzwischen doch ein wenig stört:
Dass derart aufgeregt über ein Buch geredet wird, das die wütendsten Kritiker nicht einmal gelesen haben. Ist das nicht ein bisschen unfair?
Die Ökonomie ist scheinbar auch dort das Maß aller Dinge, wo es doch eigentlich um Literatur gehen sollte. Wo bleiben denn die Utopien, ist der Tellerrand wirklich die ultimative Grenze. Und, hey, auch ich verdiene mein Geld mit Texten. Aber keine Angst, ich finde es ebenfalls fair und richtig für benutzte “Samples” zu zahlen und die Quellen soll man auch gerne offenlegen. Aber das ist ja im Fall “Axolotl” alles längst passiert, Ulstein hat bezahlt, die Quellen werden in der nächsten Auflage genannt – aber Hegemann ist immer noch die böse Teenie-Hexe. Geht’s da nicht vielleicht doch um das Gefühl, dieses kleine verzogene Blag habe das gar nicht verdient, so von den Groß-Feuilletonisten gehätschelt zu werden?
Aber am schlimmsten finde ich das Getue um den “Underground”. Bitte mal Hand hoch, wer regelmässig Bücher liest … nein, KAUFT!, die in einer 300er Auflage erschienen sind. Airen wird jetzt gehätschelt und bemitleidet, weil er ein authentischer Vogel ist und in seinem Ghetto bleibt, also tanzt, drogt und stundenlang in den Mund fickt. Das ist wie mit den HartzIV-Empfängern, solange sie sich wie HartzIV-Empfänger verhalten ist alles okay.
Hegemann sagt in “Axolotl”: “Weil meine Arbeit und mein Diebstahl authentisch werden, sobald etwas meine Seele berührt. Es ist egal, woher ich die Dinge nehme, wichtig ist, wohin ich sie trage”. Das ist ein schönes Bild für den Wunsch, nicht ewig im Matsch einer überholten Darstellung unserer Gegenwart zu verharren. Mein Gott, es gibt nun mal das Internet, 350 TV-Kanäle, Tonnen von Büchern, Filmen und CDs. Ach ja, und natürlich die Tauschbörsen in den Kinderzimmern.
Das alles ist natürlich nur erlaubt, wenn man das erste Gebot beherzigt: Nenne deine Quellen!
Entschuldigung, wenn ich das so leidenschaftlich vortrage. Aber im Bereich des Pop ist diese Aufregung längst Schnee von gestern. Und weil ich schon vor etlichen Jahren fürs Feuilleton der SZ einen Artikel über Mash-Ups geschrieben habe, nehme ich mir auch die Freiheit zu sagen: Das ist kompletter Quatsch, was Airen dazu sagt. Natürlich finden sich auf dem – von einer großen Plattenfirma veröffentlichten -Album der Too Many DJs Quellenangaben. Das hat rechtliche Gründe, wie wir alle wissen. Doch die Aktivisten des Mash-Up-Underground haben ihre Tracks einfach so rausgehauen, in der Regel als MP3, über eine illegale Download-Seite. Denn – Achtung, jetzt kommt’s – es ging um den Spaß, zu einem Mix aus Missy Elliott und den Strokes zu tanzen. Niemand wollte damit reich werden. Inzwischen haben die großen Plattenfirmen das Modell kopiert, MIT Quellenangabe, aber sehr bieder, brav und langweilig.
Ich fasse kurz zusammen: Wieder kein Konsens! Nur ein Vorschlag: Sollte man “Axolotl” vielleicht als pdf in eine Tauschbörse stellen? Dann wird dieses großartige Buch womöglich auch von seinen Kritikern gelesen.
So, es reicht jetzt aber, muss ich wieder einen jener Texte schreiben, bei denen ich alle Rechte an einen großen Verlag abgebe, der damit machen kann was er will, Wurstwerbung, Pornografie, vielleicht Schlimmeres. Aber vielleicht bezahlt mir die Arbeitsagentur eine Umschulung zum Blogger, das wäre toll….
Es grüßt herzlich und in aller Betroffenheit
Jürgen
Nur auf DIESE kleine Splitter-Debatte auf DIESER Seite bezogen: Es geht (hier) eben NICHT um “das Buch” als “Werk” – steht ja gleich oben im ersten Absatz: Dass auch ich z.B. es nicht gelesen habe. Und es durchaus für möglich/wahrscheinlich halte, dass es interessant zu lesen ist.
Es geht (hier) tatsächlich um die daran sich entzündende Debatte – und um die Theorien, die jetzt laut fortgedacht werden (entzündet an dem Buch-Vorfall) – letztlich um die Aushandlung einer (neuen?) Urheberrechte-Moral – vor dem Teppich der sowieso parallel laufenden Urheberrechte-Debatte (google, E-books, etc.)
Und es geht auch um die Mechanismen … wer wen automatisch „lieb” hat auf dem Markt der Aufmerksamkeitsökonomie, wie auch Macht und Cliquen-Wirtschaft da funktioniert, usw.. Allein dieser MECHANISMUS ist es, der hier im Blog thematisiert ist.
Und da kommen wir offenbar nicht überein. Müssen wir ja auch nicht! Da bin ich ziemlich oldschool. Vielleicht ein Unterschied in den Perspektiven: Einer von uns lebt (phasenweise) vom selber Kreieren (Buch schreiben). Und ich glaube (als Journalistin, der anderen Seite, also Deiner Seite zugewandt) auch: In dem Moment, in dem jemand Absätze aus einem eigenen Artikel entwendet, um damit, leicht umformuliert, in einem anderen Magazin zu reüssieren … in dem Moment würde sich auch die Perspektive der anderen Seite noch mal leicht verschieben…. Oder würdest Du dafür dieselben Kriterien anlegen? Nee Jürgen. manches, was Du anführst, ist – aus meiner Sicht – ”heißer Scheiß” – hier käme ein Smiley, wenn ich Smileys benutzen wollen würde. Denn Du schreibst ja selbst: bei den Mash-ups, dass der Klau auf “illegalen” Seiten und im “Underground” passierte. Beim Buch, das Gegenstand der Debatte ist, hat sich aber ein Mainstreamverlag so verhalten (also ein ”Major”), da sind schätzungsweise zwischen 50.000 und 100.000 Euro Vorschuss fürs Buch geflossen. Please: Don’t mix apples with pears, oder: Salamander mit Lurchen. (SMILEY)
Ja ja, das Copyright, immer wieder ein spannendes Thema. Und, ja, wir wollen alle geliebt werden, das stimmt schon. Aber die “Urheberrechts-Moral” am Text (und dem Honorar und der erhalten Liebe) einer 17-jährigen Jungautorin zu verhandeln – da muss ich wirklich passen.
Ich verspreche von nun an meine Finger ruhig zu halten.
@Jürgen: Ich auch. Es war mir ein Vergnügen und ging 0:0 zwischen uns aus, schlage ich vor. (Doch halt: Wer ist jetzt der Grottenolm?)
@die anderen rund fünf Milliarden: Sonst noch jemand?
@Grottenolm: Den Grottenolm übernehme ich.