Fotografieren kann ich nicht. Aber ich liebe es. Meine Digitalkamera ist ein annähernd lächerliches, beinahe schon Mitleid erregendes Gerät des Fabrikats Rollei, und soeben habe ich auf der Produktseite im Internet entdeckt, dass die Kamera über eine Smile Detection-Funktion verfügt. Soso. Seit bald zwei Jahren trage ich den Apparat nun also mit mir herum, ohne mir der Smile Detection-Option bewusst gewesen zu sein, ohne deren Möglichkeiten geahnt, geschweige denn erschlossen zu haben. Diese Erkenntnis schließt an mein aktuelles, sinnkrisenartig gelagertes Problem an: Trotz des bescheidenen Handwerkszeugs und bar jeder bildgestalterischer Kenntnisse habe ich just in den vergangenen Tagen erkannt (und leide aktuell sehr darunter): Viel lieber wäre ich Fotografin geworden als Autorin. Auch die Fotografie ist, gewissermaßen, ja ein Channelling-Handwerk – man lässt die Welt an sich heran, durch sich hindurch (mit dem Objektiv als semi-permeable Schleuse), gibt sie auf bestimmte Art wieder, stellt sich mit seinem Gerät irgendwo in die Gegenwart – und erzählt von ihr. Vor allem handelt es sich um Zeugenschaft. Für nichts anderes wird man bezahlt, als fürs Zugegensein, Zusehen, Beleuchten, Einordnen und Weitergeben. (Wenn man denn bezahlt wird, aber das ist wieder ein anderes Thema.) Auch die Fotografie bildet ein Denken ab und bietet es an, sie ist dem Schreiben damit sehr ähnlich – aber sie ist die deutlich diskretere Tätigkeit. Augenblicklich kommt die Fotografie mir sehr viel vornehmer, klüger, weniger aufdringlich vor als das Schreiben.
Die Autorin