In der ARTE-Mediathek: “I am not your Negro” & “I pay for your story”

Ganz kurz, ganz knapp – zwei Mediathek-Hinweise, einer davon wirklich auf den letzten Drücker:

NUR NOCH HEUTE:

Raoul Pecks Film I AM NOT YOUR NEGRO über den afroamerikanischen Schriftsteller JAMES BALDWIN (1924-1987), beziehungsweise: anhand von Baldwins eigenen Worten erzählt, ist von jetzt an noch für ca. 12 Stunden in der ARTE-MEDIATHEK zu sehen. Falls Sie also heute nichts mehr vorhaben … (Ansonsten wird er sicher in ausgewählten Kinos noch gezeigt, das wäre jedenfalls zu hoffen.) Über den Film hat etwa Verena Lueken in der F.A.Z.  geschrieben, für die Schweizer WOZ hat Mariama Balde ein Interview mit dem haitianischen Regissseur Raoul Peck geführt. Und ein besonders gehaltvolles Stück dazu findet sich auf der Webseite von Electric Literature: Anthony J. Williams schreibt dort, was Baldwins black queer legacy für ihn als heutigen schwarzen schwulen Intellektuellen bedeutet.

NOCH SECHS TAGE:

Ein Film, der mich wirklich stark berührt hat: die Dokumentation I PAY FOR YOUR STORY, 2015 gedreht in der Stadt Utica im US-Bundesstaat New York, vom Filmemacher Lech Kowalski, Sohn polnischer Arbeiter und selbst in Utica aufgewachsen. Ein überaus geschätzter, langjähriger Freund – der A. aus O. – mailte mir den Link. Danke, A.! Bei ARTE ist der Film so angekündigt:

“Erzählt mir eure Geschichte. Ich zahle euch den zweifachen Mindeststundenlohn dafür.“ Mit Flyern und einer Leuchtreklame, auf der in rot-blauen Lettern „I Pay For Your Story“ aufblinkte, machte Lech Kowalski die Bewohner von Utica auf sein Projekt aufmerksam. Die Stadt im Nordosten der USA, dem ehemaligen „Rust Belt“, war ein florierender Industriestandort, bis die meisten Betriebe abwanderten und die Menschen im Elend zurückließen. So ungewöhnlich wie die Idee ist auch die Umsetzung des Films: keine Infografiken, keine Expertenmeinungen, keine sensationsheischenden Kamerafahrten über verfallene Gebäude, geschlossene Geschäfte und stillgelegte Fabriken. Wie zerfallen die Stadt – auch im übertragenen Sinne – ist, erlebt der Zuschauer aus einer sehr persönlichen Innenschau. Männer und Frauen sprechen vor der Kamera über ihren Existenzkampf, über Drogen, schnelles Geld und Gefängnisstrafen. Und den Wunsch, einmal rauszukommen. Vor allem wegen der Kinder. Sie wollen eigentlich nicht Stereotypen entsprechen, die die Kriminalstatistik bedienen, wie alleinerziehende Junkie-Mutter oder schwarzer Dealer mit Vorstrafen. Doch was tun, wenn nicht dealen in Utica, wo es keine Arbeit gibt? Kowalski porträtiert Menschen, die ihr Leben lang dafür zahlen mussten, arm geboren zu sein. Indem er ihre Geschichte kaufte, gab er ihnen ein bisschen Sehnsucht, ein paar wenige Träume und Rechte zurück. Sein Dokumentarfilm trifft mit beunruhigender Genauigkeit den Nerv dessen, was Amerika zu einem gespaltenen Land macht.

Sehen Sie sich das mal an.
Schlage ich vor.
Immer die Ihre: KK