Auf dem Sprung – 2 spannende Panels & das große, schöne Meer

Juhu.

Wie an anderer Stelle schon mal gesagt: Unterwegssein (wenn es freiwillig geschieht) ist ein ganz formidabler Zustand, womöglich sogar der beste. (Zumal im Vergleich zum Angestelltenalltag, 5x die Woche zur beinahe immer gleichen Uhrzeit die immer selben Wege gehen – puh.)

BRÜSSEL – Thema EUROPA:

Nächste Woche findet in Brüssel die zweitägige Diskussionsveranstaltung Sweating for Europe statt, ausgerichtet vom Finnischen Kulturinstitut, dem Goethe-Insitut und der Alliance Francais de Bruxelles-Europe. Am Dienstag, dem 25. April, habe ich das Vergnügen, eine Gesprächsrunde mit EU-Parlamentariern und -Parlamentarierinnen zu moderieren, u.a. mit Jo Leinen (SPD), Lucy Anderson (Labour) und Sirpa Pietikäinen (Finnische Christdemokraten). Themen gibt es ja genug – vom innereuropäischen Wohlstandsgefälle über den Austeritätsdruck bis zur sogenannten Flüchtlingskrise und der Frage nach den Außengrenzen, von den Neuen Rechten und anderen Populisten, die Europa crashen wollen, bis zu neuen außerparlamentarischen pro-europäischen Bewegungen wie Diem25 und Pulse of Europe. (Zuletzt habe ich mich beim Europäischen Forum Alpach intensiv mit Europafragen beschäftigt, dort traf ich u.a. auf die Gründerin des European Democracy Lab, Ulrike Guérot, die in Brüssel nun nicht dabei ist, aber gerade das Buch WARUM EUROPA EINE REPUBLIK WERDEN MUSS vorgelegt hat. Davor führte ich für den Freitag ein Gespräch mit Evelyn Roll über ihr Buch WIR SIND EUROPA! EINE STREITSCHRIFT GEGEN DEN NATIONALISMUS. Na, neulich war ich ja gerade erst in Straßburg, privat allerdings – und nun bin ich gespannt, wie diese Brüsseler Runde wird. Falls Sie zufällig nächsten Dienstag auch in Brüssel sind: Die Veranstaltung ist öffentlich und kostet keinen Eintritt.)

FRANKFURT/MAIN – Thema RECHTS-LINKS:

Am Mittwoch, dem 26. April, sitze ich dann in Frankfurt/Main als Gast in einer Podiumsrunde bei der Diskursreihe TEXT & BEAT – Titel des Abends: WAS HAT UNS BLOß SO RUINIERT? Gemeinsam mit der Soziologie-Professorin Cornelia Koppetsch und dem dieser Tage oft zitierten Ökonom und Gesellschaftswissenschaftler Oliver Nachtwey wird es v.a. um die Frage gehen, was linke Kräfte angesichts des Erstarkens rechter Strömungen falsch gemacht haben könnten (oder nicht). Der Veranstaltungsort, der Mikro-Club Orange Peel im Bahnhofsviertel, ist sehr angenehm, schummrige Bar-Atmosphäre, pipapo.

NORDSEE – Themen LUFT, LICHT, WASSER & MARVIN GAYE:

Um diese Veranstaltungen herum werde ich, yeah, ein paar Abstecher nach hierhin und dorthin machen – u.a. nach OOSTENDE an der belgischen Küste – den Ort, an dem ich ca. zwischen 1985 und 1998 sehr viele Ferien verbracht habe – warum, das führt hier jetzt zu weit – jedenfalls habe ich Oostende nun schon seit einer ganzen Weile nicht mehr besucht, seit ca. 15, eher 20 Jahren nicht mehr. Und ich freue mich enorm auf das Wiedersehen. Dass während der Nazi-Herrschaft etliche Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Oostende ein (Zwischen-)Exil suchten, wissen Sie sicherlich, z.B. Joseph Roth und Irmgard Keun, über die ich hier schrieb (Oostende kommt auch kurz vor).

Erst seit wenigen Jahren weiß ich, dass auch MARVIN GAYE, einer der größten Motown-Künstler überhaupt, dort in den späten 1970er, frühen 1980ern eine Art Exil gefunden hatte – einen Platz, an dem er sich zu regeniereren versuchte, von seiner Sucht und seinen Ängsten. Er komponierte dort etwa das (Comeback-)Stück SEXUAL HEALING. Zwei Jahre nachdem er Belgien verlassen hatte und in die USA zurückgekehrt war, wurde er von seinem Vater erschossen, am Vorabend seines 45. Geburtstags. Tobias Müller schrieb 2009 im Freitag darüber, Claus Lochbihler skizzierte 2014, zu Marvin Gayes 30.Todestag in der Welt, wie das alles zusammenhing – Zitat:

Von seinem blutigen Ende konnte Marvin Gaye natürlich nichts wissen, als er im November 1982 zusammen mit seinem Bruder aus seinem belgischen Exil in Ostende, wo er sein Leben und seine Karriere einigermaßen in den Griff bekommen hatte, nach Hause zurückkehrte. Seine belgischen Freunde und sein Anwalt rieten ihm davon ab, weil sie fürchteten, dass der psychisch fragile Sänger durch eine zu lange Tour mit zu vielen Drogen wieder in eine Spirale der Selbstzerstörung gezogen würde.

Man kann in Oostende jetzt Touren buchen, die einen auf Marvin Gayes Spuren entlang führen, im örtlichen Casino gibt es eine Bronzestatue von Gaye – und es existiert eine kleine Dokumentation zu seiner Zeit in Belgien: Marvin Gaye – documentary walk – Oostende (produziert von Olivier Films/Richard Olivier, BBC, RTBF, VRT) – hier geht es zum Trailer – drei Screenshots daraus:




Und schließlich treiben mich die Vorfreude und die Zuneigung zu Oostende dazu, ganz unten noch ein Foto von vier der Original-Motown-Singles von Marvin Gaye, die sich in meinem Besitz befinden, hinzuhängen – ja, ich bin sozusagen ein Fan (that Detroit-Sound, you know), und das seit rund 30 Jahren – darum lasse ich hier auch noch mein Lieblingslied von Marvin Gaye laufen: Ain’t that peculiar von 1965.

Bis ich mich im Mai dann wieder melde.

Haben Sie’s auch gut bis dahin,
immer die Ihre: KK