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Gestatten: Caprice. So heißt der Mann, den Sie hier oben sehen, er posiert an einer Straßenkreuzung in Kinshasa im Kongo.

Das Bild stammt von dem italienischen Fotografen Francesco Giusti, geboren 1969 in Mailand, der eine ganze Bilderserie über kongolesische Männer in steilen Anzügen und anderen extravaganten Aufmachungen geschaffen hat. Sie nennen sich Sapeurs, und sie bilden eine eigene, hochgradig Dandy-eske urbane Subkultur, nicht nur im Kongo, aber dort gibt es wohl besonders viele solcher selbstbewusster Styler-Gockel, wenn mir diese Bezeichnung (sie ist durchaus zugeneigt gemeint) erlaubt ist.

Auf Francesco Giustis Bilder stieß ich erstmals vor drei Jahren (dazu gleich noch), sie sind auch gesammelt in einem Buch bei ihm zu bestellen, es trägt den Titel SAPE Societé des Ambianceurs et des Personnes Élégantes. Als ich Giusti nun um die Erlaubnis bat, eines seiner Bilder hier im Blog verwenden zu dürfen (so macht man das nämlich, aus Urheberrechts- und auch allein schon aus Höflichkeitsgründen), antwortete er sehr freundlich. Und schickte mir extra noch einen Link mit den Namen all der fotografierten Männer. Ich möge, wenn ich einen von ihnen bei mir im Blog auftreten lasse, doch bitte dessen Namen nicht unterschlagen, schlug Giusti vor. Guter Mann, korrekter Mann, dieser italienische Fotograf! Gestatten Sie also: Monsieur Caprice, aujourd’hui in Nadelstreifen, Hosenträgern und mit pinkfarbener Fliege.

Tatsächlich las ich vor ziemlich genau drei Jahren zum ersten Mal über die Sapeurs (und kam darüber auf Francesco Giusti) – interessanterweise in einem Buch aus dem Feld der Volkswirtschaftslehre, in Ernst Mohrs umfangreichem Band Ökonomie mit Geschmack. Die postmoderne Macht des Konsums. Ein Buch, dessen Lektüre aufschlussreich und an vielen Stellen sogar richtig unterhaltsam ist. Über jenes Buch wollte ich eigentlich eine Rezension schreiben. Aber da ich sofort an den darin erwähnten Sapeurs hängenblieb, wurde letztlich eine kleine Kolumne über “Männermodelust im Kongo” draus, sie trägt den Titel Dandys im Staub. Ein Zitat aus der Kolumne:

Die Sapeurs nutzen die Kargheit als Kulisse, in der sie sich umso leuchtender inszenieren, eigensinnig und stolz, stil­- und ironiebegabt. Mit ihrem Auftritt als überhebliche, eitle Fatzkes parodieren sie auch ganz wun­derbar die europäischen Kolonialherren.

Nun stieß ich dank eines Artikels der geschätzten Christine Käppeler auf eine aktuelle kleine Internet-TV-Serie, die sich u.a. mit den Sapeurs beschäftigt – aber auch mit der “Modelust im Kongo” allgemein. Kinshasa Collection heißt der 6-Teiler, auf dessen Webseite die ersten drei Folgen (sie dauern jeweils gut 20 Minuten) schon zu sehen sind, die nächsten drei folgen demnächst. Es handelt sich um ein recht schräges Stück Mockumentary, ein fiktional-dokumentarisches Filmprojekt, das u.a. vom Goethe-Institut und dem Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin unterstützt wird. Da ich mich für das Thema interessiere, habe ich mir die erste Hälfte recht gern angesehen.

Hier der Trailer – um dessen Produktion es lustigerweise in der Serie die ganze Zeit geht, die Schwierigkeit, allein nur diesen Trailer zu produzieren, ist sozusagen der rote Faden der Serie. “Mode im Kongo, im Herzen der Finsternis, das ist was Neues, prima” – sagt ein potenzieller Sponsor des Filmprojekts in der ersten Folge, in einem schicken Glasbüro am Potsdamer Platz (in einer erfundenen, also gespielten Szene). Es ist nun so ziemlich meine erste “Internet-TV-Serie”, das erste Youtube-artige Serial, das ich verfolge. Was man nicht alles macht, heutzutage.

Immer die Ihre: KK

August 18, 2017