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Guten Tag. Endlich war ich einmal wieder in Hamburg. Und es war auch diesmal wieder ganz wunderbar.

Auf dem großen Aufmacherfoto gleich hier oben blicken wir vom tatsächlich ja halbwegs feinsandigen, jedenfalls hübsch breiten Elbstrand auf den berühmten Fluss; im diesigen Hintergrund läuft gerade ein Tanker aus wer-weiß-woher ein. Exakt eine solche Szene habe ich mal in einem kurzen Zeitungstext über Lyrik beschrieben, Überschrift Brutalismus on the Beach:

Was Menschen, die Hamburg nur von Wettergerüchten kennen, unterschätzen: Erstens geht dort, aufs Jahr gerechnet, weniger Niederschlag runter als in München. Zweitens ist der Elbstrand tatsächlich ein Strand, mit Sand und Fischbuden. Alle paar Minuten rollt ein Containerschiff vorbei, aus Brasilien, China oder Nigeria, voll beladen mit Maschinenbauteilen, Babynahrung oder Diamanten. Wenn überhaupt, kann man genau dort sehr gut Lyrik lesen: immer abwechselnd ein Gedicht, dann einen Tanker studieren. Text, Tanker, Text.

Beachlife im Januar also. Mich dünkt, man könnte es auch chillen nennen. Hamburg halt.

Altona grenzt ja praktisch direkt ans Meer.

Profis reisen ohnehin in der Nebensaison.

GUTE AUSSICHTEN DELEUXE – JUNGE DEUTSCHE FOTOGRAFIE NACH DER DÜSSELDORFER SCHULE heißt die – empfehlenswerte! – Ausstellung, die am Donnerstag in den Deichtorhallen (denen der Spiegel direkt im Nacken sitzt) eröffnet hat. Ich hatte das Vergnügen, eine von etwa einem Dutzend InterpretInnen zu sein (was sehr toll klingt), eine, die sich mit zwei Künstlerinnen über deren Positionen unterhalten durfte, vor Publikum (was nicht so einfach war, denn diese Eröffnung war wirklich ungeheuer voll, eine vierstellige BesucherInnenzahl auf jeden Fall, die Schlange draußen am Einlass längte sich im Laufe des Abends angeblich auf an die 350 Meter).

Die Fotos der Kunst sind hier absichtlich bunt jetzt. Ich beschäfigte mich an jenem Abend mit der Arbeit von Sarah Straßmann, die sich aktuell mit Selfies auseinandersetzt:

Und mit der Arbeit von Tamara Lorenz habe ich mich beschäftigt, auf ganz leichte, plaudernde Art, im öffentlichen Gespräch mit der Künstlerin. (Ein Gespräch, das wir am liebsten in Ruhe und mindestens über ein, zwei Stunden fortgesetzt hätten, glaube ich.) Lorenz’ Dreiecke waren der Grund, warum ich neulich wieder einmal die Blinky-Palermo’schen Dreiecke betrachtete.

Sehr sehr aufmerksam und freundlich und großzügig ist ein (ansonsten recht mysteriöser) Herr B. aus Hamburg, der mir die folgenden Aufnahmen vom Gespräch mit Tamara Lorenz schickte. (Ich erkundigte mich, ob ich sie hier veröffentlichen dürfe, er gab sein Okay – merci nochmals dafür!) Es war schon ca 22.15 Uhr, die beiden Beteiligten schon seit rund fünf Stunden in der Monsterhalle, weshalb man ihnen eine gewisse Erschöpfung hier womöglich ansieht. Aber hey, es geht hier um Höheres. (Tatsächlich bin ich ganz angetan von Tamara Lorenz’ Sachen.)

Private Verbindungen unterhalte ich selbstverständlich auch noch in diese Stadt, und zwar die allerfeinsten, allerwärmsten, allergesündesten, die man sich wünschen kann, mit manchen enger, mit manchen loser, jedenfalls auf außerordentlich gute Art verbandelt. In einer Bar wurde u.a. auch ich gemalt, vom freundlichen G., der zwei Meter weiter an der Theke saß, er zeichnete mit einem Kugelschreiber auf den Pappdeckel eines Kassennotizzettelblocks. (Ohne, dass die Gezeichneten davon etwas mitbekamen.) Wissen Sie: Bars. Gehen Sie ab und an mal hin. In eine Bar, die Ihnen passt. Man kann das gegebenenfalls auch alleine tun, warum denn nicht. Man muss auch nicht unbedingt (viel) trinken oder (viel) rauchen. So oder so: Es taugt.

Man kann natürlich auch, wenn man zu faul zum Ausgehen ist, Leute zu sich nach Hause einladen – so wie wiederum ein anderer Hamburger Freund es jetzt tat. Alles Gute zum Geburtstag noch mal, lieber M.! Ich hoffe, er hat nichts dagegen, wenn ich einen Micro-Ausschnitt seiner kolossalen und auch an jenem Abend wieder x-fach fotografierten Vinyl-Wand hier veröffentliche. Es ist einfach zu schön.

Der Gastgeber gab selbst den DJ, und was für einen begabten DJ. Ja, er bekam die Leute zum Tanzen, sehr sogar – und zwar … naja … es war eine … Erwachsenenparty … also … mit etwas aus den, äh, 1980er Jahren. Seit bestimmt 10, 15 Jahren hatte ich jenes Stück nicht mehr bewusst gehört, mindestens, und dazu getanzt … zuletzt vielleicht … 1996? Als es der Geburtstags-DJ jetzt auflegte, erkannte ich es, logisch!, nach ca. 1,3 Sekunden. Wie sehr viele andere auch. Ein paar hatten sich vorher schon ein wenig über die Dielen bewegt. Aber hierbei brach dann das Resteis, sozusagen, auch bei mir, und, nun ja, es wurde dann auch kollektiv mitgesungen, laut und leidenschaftlich, wie sonst?

Euphorie im Alltag heißt dieser Blog.
Wie bestellt, so geliefert.

Immer die Ihre: KK

January 28, 2018