Oostende forever

Herzliche Grüße aus Oostende!

Der weltberühmten 70.000-Einwohner-Stadt an der belgischen Küste, deren Besuch neulich hier anmoderiert wurde.

Nach ca. 18 Jahren war ich nun erstmals wieder dort. Und habe das Bedürfnis, das Beige-Blaue dieses Ortes jetzt im Internet vorzuzeigen. Einst nutzten Stefan Zweig, Joseph Roth, Irmgard Keun u.a. diesen Ort als (Zwischen-)-Exil vor den Nazis (worüber Volker Weidermann ein Buch schrieb), später machte Marvin Gaye von der Luft und dem Licht des Ortes Gebrauch. Ach, und jetzt, da ich wieder mal dort war, bei wechselhaft okayem Spätaprilwetter, hätte ich auch glatt da bleiben können.

Als Soundtrack für die folgende Foto-Lovestory (alles sehr schlicht – but I like it that way) empfehle ich ein Stück, das ich nicht gerade, nun ja, liebe – aber es ist ganz entschieden ein Oostende-Lied – denn solche Sachen liefen im Sommer 1989, als ich erstmals auf eigene Faust nach Oostende reiste (im Alter von 19, mit drei etwa gleichaltrigen Freundinnen, in einem von einer Mutter geliehenen Kleinwagen) dort rauf und runter, in allen Bars und Clubs, und nicht nur die Belgierinnen und Belgier, auch die vielen Jung-Engländer, die wochenends mit der Fähre von UK nach Oostende übersetzten, schienen sehr auf diesen Sound zu stehen. Zwangsläufig tanzte ich in jenen spätadoleszenten Ferienwochen also auch dazu (man sieht es auf dem Foto links), in meiner Erinnerung lief damals wirklich nichts anderes, nirgends. Es stammte tatsächlich aus Belgien, man nannte und nennt es EBM (Electronic Body Music). Ich weiß noch, wie ich als Sixties-affiziertes Mod-Mädchen darüber sprach: “Die sind ja echt hinterher, diese Belgier. Das klingt alles voll altmodisch, wie Depeche Mode vor 10 Jahren, nur ein bisschen härter und dümmer, also: pfff!” In jenem Moment, im Sommer 1989, wenige Monate, bevor die Mauer fiel, war mir nicht bewusst, dass gerade TECHNO in Europa ausbrach – und dass ich mit den Jung-Engländern in Oostende mittendrin steckte, in einer entscheidenden Minute der Geburtsstunde, sozusagen. So kann es gehen: Da erlebt man live einen Punkt der Geschichte mit und es gefällt einem, musikalisch gesehen, nicht mal sonderlich gut, und erfährt dann erst Jahre später, dass man – unbeabsichtigt und unfreiwillig – ganz vorn dabei war.

Tsss.

So klang das – EBM aus Belgien:

Und nun ab an den Strand:

Wendet man sich vom ungeheuer breiten, kilometerlangen, weißen Superstrand aus wieder dem Land zu, dreht man dem Meer also den Rücken zu, sieht es so aus wie auf dem folgenden Foto, weshalb mir neulich folgende Kurzbeschreibung für Oostende über die Lippen rutschte: “Es handelt sich um eine reizvolle Kreuzung aus St. Peter Ording und Berlin-Marzahn”:

Verweilen wir kurz beim Thema Architektur – in Oostende eine Mischung aus Belle Epoque und Modernistischem aller Art:

Meerblick, von der Hinterhof-Kaschemme aus, in der ich mich jetzt günstig untergebracht hatte:

Überhaupt – das Meer! Diese Weiträumigkeit! Großzügigkeit! Aufgeräumtheit!

Meeresbewohner (hier nur eine Micro-Auswahl): Krebse, Stabmuscheln, Kabeljau. Leider, leider trifft man sie ja meist in dahingeschiedenem Zustand an. (Lassen Sie uns den sicherlich brutal gewesenen Tod des kleinen Krebses bitte besonders andächtig betrauern, ich fühle mich diesem zwischen Festem und Flüssigem wandernden Tier wesentlich verwandt.)

Menschen am Strand (bzw. an der Strandpromenade):

Hinzu kommen: Dünen.

Die Oostender und Oostenderinnen haben unmittelbaren Zugang zu prächtigem Fisch und herrlichen Meeresfrüchten, neigen nichtsdestotrotz (oder gerade darum?) stark zu Mayonnaise und tendieren bedauerlicherweise zum Überfrittieren von praktisch allem.

Hier wohnte übrigens Marvin Gaye in den frühen 1980er Jahren:

Und so reiche ich schon mal meinen Wettbewerbsbeitrag für das Strand-Schenkel-Selfie 2017 ein.

Guten Abend.

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