Der großartige Schriftsteller JAMAL TUSCHICK – Leseempfehlungen aus meinem Bücherschrank: Aufbrechende Paare und Bis zum Ende der B-Seite – hat für die Tageszeitung JUNGE WELT eine Buch- und Lesungs-Rezension über die RASENDEN RUINEN verfasst.
Tuschick schreibt u.a.: “Vier Wochen Amerika reichten der Autorin, um Detroit zu kapieren – und den Regeln der rasenden Reportage gerecht zu werden. Solche Überflüge können reich machen, dafür gibt es Beispiele von Hunter S. Thompson bis eben jetzt zu ihr. Nein, diese quecksilbrige, gern mal die prekären Verhältnisse einer Medienexistenz beklagende Autorin aus dem Taunus, inzwischen lebt sie in Hamburg, bleibt nicht auf der Strecke von zu vielen Informationen in zu kurzer Zeit, sie geht über die volle Distanz ihrer Aufgabe, ohne in der Elaboration geballte Zuflucht suchen zu müssen. (…) Kullmann hat sich auch mit einem Soulstudium und mit Überlegungen zum ,Fetischcharakter’ auf Detroit vorbereitet. Genüßlich läßt sie sich den Bären einer Mordsstory aufbinden, von einem, der seine trostlose Gegenwart mit einer grandiosen Vergangenheit aufputzt. Ja, der Motown-Mythos bleibt vital, nicht nur in den Erzählungen der Obdachlosen. Die museale Industriemoderne bietet sich als Underground an, Detroit im Ganzen als ,ein Ort, der seine eigene Mythenhaftigkeit begreift’. (…) Kullmann begreift sich selbst genug, um zu wissen, daß solche Ansichten aus ,Mittelklassephantasien’ kommen und immer etwas von ,Ruinenpornos’ haben, in denen Künstler die Areale fluten.”
Tuschicks brutal intelligenter und schöner Text ist in Gänze >>> HIER nachzulesen.
►►►►► PS: Übrigens – äh, ja – also, da sind schon, äh, ein paar Spitzen, in dem Text, also ein paar Sticheleien. Na und? Der Text ist trotzdem gut, in seiner Samthandschuh-Boshaftigkeit. Deswegen hänge ich ihn hier hin. Und außerdem ist es faszinierend (manchmal irre), was Leute sich für ein Bild machen, das ist superinteressant. Also hier zum Beispiel: “Reich”, wie es oben steht, bin ich leider nicht. (Das weiß der Tuschick natürlich auch, wir haben ja denselben Job). Aber mit Hunter S. Thompson in einer Zeile zu stehen, ist schon okay (wir haben beinahe am selben Tag Geburtstag, Thompson und ich – Fauser und ich sowieso). Und eine quecksilbrige Autorin bin ich natürlich auch.