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Dieses Foto stammt von 1938. Es wurde von der Fotografin Hildegard Rosenthal in Sao Paulo in Brasilien aufgenommen. Dorthin war Rosenthal (* 1913 in Zürich) 1937 vor den Nazis geflohen. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1990 arbeitete sie als Pressefotografin.

Zum Journalismus ist – neben vielem anderen – zu sagen, dass etliche Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit ihm zu tun hatten oder haben. Manche frei-, andere unfreiwillig. Manche nur selten oder kurz, andere längerfristig oder häufig. Das geht von Jörg Fauser über Dorothy Parker, Hunter S. Thompson, Wolfgang Welt und Kurt Vonnegut bis zum verehrten Wolfgang Koeppen. Der schrieb über das Verhältnis von Journalismus und Literatur einmal folgendes:

Ein Buch zu schreiben ist eine Sache anderer Art als das Verfassen eines Artikels. Nicht daß das Letztere geringer zu achten wäre als das andere. Ein guter Artikel ist eine genau so schwierige Sache wie ein gutes Buch.

Dass das journalistische Schreiben indes nicht ungefährlich sei, weil es die Fähigkeit zum schriftstellerischen Schreiben bedrohe – mit der im Redaktionsalltag geforderten “Fixigkeit” der Formulierungen, mit dem hektischen “Vielschreibenmüssen” –, das notierte Koeppen ebenfalls.

Trotz Koeppens Warnung …

… kann ich die Finger nicht davon lassen.

Es ist einfach eine zu spannende Zeit, dieser Tage, innen-, außen-, weltpolitisch.

Und so freue ich mich (und zwar sehr), im Oktober bei der geschätzten taz einzusteigen – als Themenchefin, die ressortübergreifend mit dem Print- und dem Online-Kollegium gleichermaßen zusammenarbeitet und u.a. für die Seite Drei mit zuständig ist. Pünktlich zum Oktober wird die taz sich auch optisch verändern – mit einem Redesign, wie es im Branchenjargon heißt. Das alles nenne ich nun eine besonders schöne Möglichkeit.

Ähnlich wie in der Chefredaktion des Freitag, werde ich auch in der neuen taz-Position selten zum Schreiben kommen, sondern vor allem planerisch/blattmacherisch arbeiten. Das hat ein paar Nach-, aber auch einige Vorteile – etwa den, das eigene Schreiben nicht im oben angeführten Koeppen’schen Sinne zu zerhäckseln oder wund zu scheuern. Das bereits begonnene Jahrhundertwerk … wird einstweilen … weiter … reifen. Fest steht: Es wird geschrieben! (Nur eben etwas langsamer als kürzlich noch gedacht.)

Die aktuelle Wetterlage im Wedding jedenfalls: Fortschreitende Vorfreude bei milden 18 Grad, yeah.

Immer die Ihre: KK

September 7, 2017