Du meine Güte, so viele Dinge geschehen, über so vieles muss man nachdenken: über die Bespitzelung der Linkspartei und über das notorisch blinde “rechte Auge” der einschlägigen Staatsdienste – über den Finanz-”Gauleiter” *) für Griechenland – über die Geheimgesellschaft Niedersachsens …
Es gibt jedenfalls auch Menschen, die anspruchsvolle Seiten im Internet unterhalten, und nicht nur irgendeinen Kram fallen lassen (wie wir hier). Eine dieser Seiten, die mich seit Jahren verfolgt (im wahrsten Sinne des Wortes), und deren Lektüre immer wieder zu interessanten, oft überraschenden Querverweisen, Verwandtschaften und Widersprüchen führt, ist www.single-generation.de – eine akribisch gepflegte Materialsammlung zu soziologischen Themen – von “Generationen”-Debatten über Fantasien wie “Neue Bürgerlichkeit” und so genannte “Pop-Literatur” bis zur (vermeintlichen) Gegenerschaft “Eltern contra Singles”. Verschiedene Medien, etwa der SPIEGEL und die Berliner Zeitung, haben daraus zitiert.
Geschaffen hat die Seite der Soziologe Bernd Kittlaus (über den nur sehr wenig im Internet zu finden ist). Seit über zehn Jahren, einer fürs Internet ungewöhnlich langen Zeit, liest und forscht und rezensiert er sich durch die Bücher und Feuilleton-Debatten zur Gegenwart. Nicht “Partnerschaftsfragen”, sondern Verteilungs-Fragen hat Kittlaus im Blick, Elterngeld und Prekariat, Geschlechtergerechtigkeit, Rentenproblematik – und er bereitet das Material sehr clever und wirklich gut lesbar auf. Einem Auftraggeber folgt er dabei offenbar nicht, auch einen Sponsor scheint es nicht zu geben. 2006 brachte Kittlaus sein Buch Die Single-Lüge im Eigenverlag heraus. Minuspunkt von single-generation.de: Die Aufmachung – das Layout und die Gliederung der Seite – könnte ein Update gut gebrauchen. Dort sieht es aus, wie das Internet 2001 aussah – was bei Zufalls- oder Erstbesuchern womöglich den Eindruck von “Un-Aktualität” erweckt – dabei ist das Gegenteil gegeben.
Einen guten Überblick über die gängigen “Generationen”-Behauptungen seit 1968 gibt es zum Beispiel HIER zu lesen. Eine Einführung in die “Single”-Debatte seit den 1950er Jahren in den USA findet man HIER. Und schließlich hat mich kürzlich eine Freundin auf den Beitrag Echtleben – Die netten Jahre sind vorbei. Die Generation Ally in der Jobkrise. ODER: Die Karrierefrau in der Individualisierungszwickmühle hingewiesen. Kittlaus, der grundsätzlich alles zu lesen scheint, hat auch meine drei Bücher besprochen – und auch wenn ich nicht an jeder Stelle mit der Einordnung einverstanden war bzw. bin, ist es doch nicht ganz verkehrt, wie er in jenem Artikel nun gewisse Stringenzen und Zusammenhänge aufzeigt – zwischen “Ally” und “Echtleben” und anderem. Ach – und – naja. Beim letzten Absatz musste ich dann auch ein wenig – wie sagt man da? -, äh, schmunzeln – von wegen “Ökonomie”, “Authentizität” und so weiter – und es führt direkt zur Sinnfrage des Bloggings zurück. Dort heißt es (und ich habe nichts dran auszusetzen):
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Exkurs: Die Marke Kullmann
Wenn hier über Katja KULLMANN geschrieben wird, dann nicht über die Person, sondern über die Selbstinszenierung einer Sachbuchautorin, die keine Autobiografie geschrieben hat, sondern ein Sachbuch mit autobiografischen Elementen, oder wie es 2005 genannt wurde: autobiografischer Essayismus. Hier interessieren deshalb allein die beschriebenen sozialen Situationen. Die Frage der Authentizität bzw. das Glaubwürdigkeitsproblem, das Katja KULLMANN am Beispiel des Sängers Maximilian HECKER diskutiert, bleibt dabei außen vor. Oder wie KULLMANN schreibt: “Ich tue, was ich schon immer am besten konnte, ich wahre Fassung und Form”. |
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*) Die “Gauleiter”-Metapher ist ein Medienzitat, vgl. z.B. HIER.
Foto links oben gefunden bei billigblogger.de