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Hackney. Please stop burning.

♫ Marcia Griffiths: Tell me now

67 D Sandringham Road, Dalston, Hackney, London E 8 – my transition-home in 1990/91. I worked in a snackbar-kitchen, 6 hours a day, 6 days a week, 2,50 £ per hour, no insurance. My job was to prepare cheese-tomato-sandwiches. Apart from that, I went out dancing often, learned some Nigerian words and let a fortune teller read my palm for the first time. One year later, I started to study political science and sociology. Hackney made me erwachsen, I like the people. And I hope they stop destroying modest homes and small shops there. The aggression is heading in the wrong direction, oh-so-definitely.

“Opfer des Aufschwungs”

“Trotz Aufschwung: Löhne der Geringverdiener brechen dramatisch ein”: So oder so ähnlich berichten heute zahlreiche Medien über aktuelle Ergebnisse des Sozioökonomischen Panels (SOEP). Bei Beschäftigten in den unteren Einkommensgruppen hätten die Einbußen in den vergangenen Jahren 16 bis 22 Prozent betragen, berichtete etwa die Berliner Zeitung unter Berufung auf das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Zwar sei die Wirtschaft seit der Jahrtausendwende “ordentlich gewachsen”, wird ein DIW-Sprecher zitiert – doch sei bei den meisten Beschäftigten davon eben “nichts angekommen” – ganz anders als bei den so genannten Anlegern. Auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger kritisierte, die Bundesregierung sei “untätig” – und plädierte dafür, die Arbeitnehmer bei den Sozialabgaben zu entlasten- etwa indem die Arbeitgeber wieder die Hälfte der gesetzlichen Krankenversicherung übernehmen. „Eine solche Rückkehr zur Parität würde den Staat keinen Cent kosten“, sagte Bofinger der Zeitung. “Opfer des Aufschwungs” nennt selbst Die Welt, die ja nicht grundsätzlich für, well, well,  so called “sozialdemokratische” Positionen bekannt ist, die abgezockten Geringverdiener. Und das “Lohndumping” ist ja ein bereits Mitte der nuller Jahre eingeführter, inzwischen hinlänglich bekannter Begriff.

Siehe dazu: Die Aufstocker, die Zyniker und das ECHTLEBEN
Höre dazu: Ein Gespräch mit dem Deutschlandfunk von Mitte Juni, insbesondere ab Minute 2.
Foto: dpa

Die Aufstocker, die Zyniker und das ECHTLEBEN

Das Foto ist dem taz-blog von von Detlef Kuhlbrodt (2007) entnommen.

“Freiberufler immer häufiger auf Hartz IV angewiesen” – so oder ähnlich titeln heute zahlreiche Tageszeitungen und News-Portale, etwa hier. Wie die Bundesagentur für Arbeit gestern berichtete, stieg die Zahl der so genannten Aufstocker von 2007 bis 2010 tatsächlich um mehr als 50 000 auf etwa 125 000 selbstständig tätige Menschen im Jahresdurchschnitt – Kleinstunternehmer, kreative Tagelöhner, Wanderarbeiter, Aushilfs-, Hilflos- und andere Mini- und Verzweiflungs-Jobber. Gut 85 000 von ihnen hätten über ein Einkommen von weniger als 400 Euro monatlich verfügt, etwa 25 000 hätten bis zu 800 Euro alle vier Wochen eingenommen, die anderen “etwas mehr”, hieß es.

So viel also noch einmal zum Thema “deutsches Job-Wunder” – in dem wir alle zum Unternehmer unserer selbst geworden sind bzw. gefälligst bald werden sollen. Weil … nämlich … Selbstverwirklichung sich lohnt und … das Entrepreneurwesen … das Land … so verflucht viel schöner macht. Auch hübsch: Der prompte Vorwurf des “Sozialschmarotzertums” – manche kommentieren die Zahlen nämlich damit, dass unter den neuen neunmalklugen working poor so viele schlaue Leute dabei seien, dass die es schafften, sich “selber arm zu rechnen”, mit allerlei ganz gemeinen Tricks. So dumm, gehässig und schäbig ist jener Vorwurf, dass wir ihn gar nicht erst mit Originalzitaten und Quellen verlinken wollen.

Stattdessen verweisen wir lieber auf einen zum Thema exorbitant gut passenden Lesetipp: ECHTLEBEN – darin geschildert ist u.a. eine ebensolche “Aufstockerinnen-Geschichte” – die sich zufällig im Jahr 2008 zutrug – also zum Zenit des oben genannten Erhebungszeitraums. Und nun hurtig auf, auf – bevor die Shops und Stores für heute wieder dicht machen – und schnell, schnell das schöne Staatsgeld verprassen, für ganz ökologisch korrekten Designerquatsch und so’n Zeug. Immerhin: Wir zahlen dann ja Umsatzsteuer, für uns alle, wir fördern damit die Wirtschaft, n’est-ce pas?

ECHTLEBEN in PROFIL (Wien)

Diese Woche im österreichischen Nachrichtenmagazin profil, mit Interview:

Jung, abgehängt und ratlos

Katja Kullmanns Kassensturz ECHTLEBEN über eine Generation mit hohen Utopieverlusten

Die Landschaftgärtnerin, die früher gut von Projekten lebte, ist gerade einmal 42 und längst „beim Amt“, so die gängige Chiffre für ein Hartz-IV-Schicksal. Oder „zwischen zwei Projekten“, wie sie es nennt. Dennoch dreht sie im schicken Berlin-Mitte immer wieder am späten Vormittag ihre Runden mit einem Coffee-to-go-Pappbecher in der Hand – um eine Existenz als vollbeschäftigte „Young Urban Professional“ zu simulieren, während sie doch längst auf dem Weg zum „Almost Old Urban Social Problem“ ist. Zukunftsaussicht: Würdelosigkeit.

Sie ist die bemitleidenswerte Protagonistin in Katja Kullmanns Typen-Panorama, in dem sich eine soziologisch facettenreiche Generation tummelt: als Empfangsdamen, „halb“-beschäftigte Alleinerziehende mit Uni-Abschluss, echte Rezessionsleichen, langweilige Autohaus-Sekretärinnen, die „im Gegensatz zu mir ein Kind, einen Partner, bezahlten Urlaub und eine Fußbodenheizung haben“, „digitale Bohème“, die im todschicken Freiberuflerkollektiv die Brutalität der Honorarkürzungen hautnah erlebt, das biedere Lieschen Müller, das die Bobo-Ästhetik mit schwarz umrahmten Nerd-Brillen und Latte-Macchiato-Geschlürfe längst kopiert.

Kullmann hat ihre Analyse der Arbeitswelt für die etwas angegrauten „Neuen Erwachsenen“ wie einen soziologischen Thriller geschrieben. Sie schont sich in ihrer geschliffen formulierten Ursachenforschung für den großen Utopien-Auffahrunfall selbst am wenigsten, sondern reicht ihre von Höhenflügen und Abstürzen geprägte Berufsbiographie zur freien Entnahme. Sowohl in der Methode, als auch stilistisch hebt sich das Buch wohltuend von den üblichen, oftmals unerträglichen Lifestyle-Theoretikern aus der Zukunftsforscher-Zunft ab.

Kullmanns ECHTLEBEN ist echt, weil selbst erlebt, aus nächster Nähe beobachtet, dann messerscharf analysiert und in große, oft beängstigende Zusammenhänge gesetzt. Eine Kapitelüberschrift kann gleich als selbstironisches Fazit gewertet werden: „Nichts ist anstrengender, als ganz man selbst zu sein.“

Angelika Hager/profil

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ECHTLEBEN im WDR


Sechs Minuten Radio über Selbst-Ausbeutung und  Bionade-Bourgeoisie – gesendet bei WDR 5 Scala




ECHTLEBEN bei ASPEKTE

Das ZDF-Kulturmagazin ASPEKTE hat, schon ein paar Tage bevor das Buch in den Läden liegt bzw. von Amazon verschickt wird, einen kleinen Bericht über das ECHTLEBEN gebracht. Man kann das Video hier sehen. Das Interesse am Buch ist mir selbstverständlich eine Ehre, ich freue mich sehr darüber. Andererseits finde ich Fernsehen fürchterlich, sich selbst darin zu sehen und zu hören, und vor allem: nicht selbst bestimmen zu können, wie das geschnitten, was da erzählt wird. Keine Kontrolle, you know. Schwierig. Anyway, ich bleibe hart: kein Coaching, keine Imageberatung, never. In diesem Punkt, wenigstens in diesem, orientiere ich mich an Michel Houellebecq (hier der Franzose bei ASPEKTE). Nur müsste ich mich noch auf sein Tempo herunterbremsen. Falls Sie einen Ratschlag gebrauchen können: Lesen Sie das Buch selbst. Ehrlich, das wär’s. Grüß Gott.

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