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Verfassungsliebe …

… ist interessanterweise das Wort, das in diesem Herbst in der Luft zu liegen scheint. Jedenfalls begleitet es mich derzeit, springt mich immer wieder an, egal, wo ich gerade bin, sozusagen als running gag auf Reisen. Dabei ist es gar nicht sonderlich witzig. Ich meine, hey, ein gag ist es ja eher nicht. Es ist nur so, ich führe mal hier ein Gespräch, mal dort – und plötzlich steht das breitbeinig im Raum. Nun schon zum dritten Mal binnen zwei Wochen: “Verfassungsliebe”. Und nun frage ich mich doch: Was will das Wort von mir? Okay, okay, ich werde mal ernsthaft drüber nachdenken.

Die Aufstocker, die Zyniker und das ECHTLEBEN

Das Foto ist dem taz-blog von von Detlef Kuhlbrodt (2007) entnommen.

“Freiberufler immer häufiger auf Hartz IV angewiesen” – so oder ähnlich titeln heute zahlreiche Tageszeitungen und News-Portale, etwa hier. Wie die Bundesagentur für Arbeit gestern berichtete, stieg die Zahl der so genannten Aufstocker von 2007 bis 2010 tatsächlich um mehr als 50 000 auf etwa 125 000 selbstständig tätige Menschen im Jahresdurchschnitt – Kleinstunternehmer, kreative Tagelöhner, Wanderarbeiter, Aushilfs-, Hilflos- und andere Mini- und Verzweiflungs-Jobber. Gut 85 000 von ihnen hätten über ein Einkommen von weniger als 400 Euro monatlich verfügt, etwa 25 000 hätten bis zu 800 Euro alle vier Wochen eingenommen, die anderen “etwas mehr”, hieß es.

So viel also noch einmal zum Thema “deutsches Job-Wunder” – in dem wir alle zum Unternehmer unserer selbst geworden sind bzw. gefälligst bald werden sollen. Weil … nämlich … Selbstverwirklichung sich lohnt und … das Entrepreneurwesen … das Land … so verflucht viel schöner macht. Auch hübsch: Der prompte Vorwurf des “Sozialschmarotzertums” – manche kommentieren die Zahlen nämlich damit, dass unter den neuen neunmalklugen working poor so viele schlaue Leute dabei seien, dass die es schafften, sich “selber arm zu rechnen”, mit allerlei ganz gemeinen Tricks. So dumm, gehässig und schäbig ist jener Vorwurf, dass wir ihn gar nicht erst mit Originalzitaten und Quellen verlinken wollen.

Stattdessen verweisen wir lieber auf einen zum Thema exorbitant gut passenden Lesetipp: ECHTLEBEN – darin geschildert ist u.a. eine ebensolche “Aufstockerinnen-Geschichte” – die sich zufällig im Jahr 2008 zutrug – also zum Zenit des oben genannten Erhebungszeitraums. Und nun hurtig auf, auf – bevor die Shops und Stores für heute wieder dicht machen – und schnell, schnell das schöne Staatsgeld verprassen, für ganz ökologisch korrekten Designerquatsch und so’n Zeug. Immerhin: Wir zahlen dann ja Umsatzsteuer, für uns alle, wir fördern damit die Wirtschaft, n’est-ce pas?