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Katja Kullmann


Satzgranaten & Gerüchte

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    • Karla Orange: Feiner Appetizier, sehr schöne Fotos. Aber die Leser dann hungrig zurück lassen, selbst eine überdekorierte Pizza schmatzend… Das ist...
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    • tr: “Das ist Demokratie, langweilig wird sie nie.” Andreas Dorau und die Bruderschaft der kleinen Sorgen Auf dem Cover der 1988 erschienenen...
    • Das Sakko: Der Buchtitel ist toll, ich würde es lesen. Schreib mal!
    • der stille poet: Drei attraktive und gescheite Frauen (Margot Käßmann, Ursula von der Leyen und Lena Meyer-Landrut) machen das als spröde und provinziell...
    • ulrike fischer: ach kullmann, diese ganze rücktreterei ist so was von verlogen! können die jungs keinen glanz mehr ernten, wandern sie ab. in die wirtschaft,...
  • Apropos: Freundschaft


    Heute spielen wir eine Herdplatte

    January 26th, 2010 — 1:46pm

    soulkitchen

    ♫ Dorothy Prince: I lost a love

    Dieser Blog-Eintrag ist eine Auftragsarbeit und wurde  – ob Sie’s glauben oder nicht – erstellt auf Anfrage eines echten Ministeriumssprechers: auf Anfrage des sympathischen A.B. nämlich.  A.B. wollte wissen, ob ich den neuen Fatih Akin-Film “Soul Kitchen” schon gesehen habe und was ich davon halte, unter besonderer Berücksichtigung des Soundtracks. Wie der A.B. auf solch eine Frage kommt? Ich kann es mir nur so erklären: 1.) Der Film spielt in Hamburg. 2.) Fatih Akin soll bei mir um die Ecke in Ottensen wohnen. 3.) Es geht im Film um Soul-Musik. Meine Antworten fallen jedoch ernüchternd aus: 1.) Nein, ich habe den Film noch nicht gesehen und gehe davon aus, dass ich ihn mir auch nicht mehr ansehen werde, denn irgendwie interessiert er mich nicht. 2.) Fatih Akin ist mir noch nie begegnet. 3.) Die Soundtrack-Playlist habe ich bei Amazon schnellgecheckt – und habe befunden, dass ich das Doppelalbum nicht brauche. Tja: Auch angesichts eines Ministerialratspräsidenten knicke ich nicht ein, sondern bleibe bei der Wahrheit, immer schön den Kopf oben behalten, gerade den Autoritäten gegenüber. Da der A.B. aber wirklich ein angenehmer Mensch ist, habe ich ihm zuliebe nun meine persönliche Seelenküche fotografiert (oben) und ein besonders seelenvolles Stück aus meinem Privatarchiv zum Vorspielen ausgewählt: Dorothy Prince beklagt eine verlustig gegangene Liebe. Nicht, dass diese Auswahl nun irgendetwas Spezielles bedeuten würde, es ist bloß ein fantastisch würdevoller Soul-Song, ein zwar schlichtes, aber doch richtig dickes Stück, und, ganz allgemein gesprochen: Wir alle kennen ja doch Momente im Leben, in denen man so, und zwar genauso und nicht anders singen möchte – behaupte ich hier und heute.

    2 Leserbriefe | Euphorie im Alltag

    Erwachsenen-Quatsch mit Herz

    January 3rd, 2010 — 9:01pm

    boat1

    Gut: Jubel und Ekstase wären jetzt verführerischer. Zumal noch das Knallkörper-Odeur der Silvesternacht in der Atmosphäre hängt. Zumal die meisten Menschen sich sicherlich um den Verstand gefeiert haben, am 1.1.2010 um Punkt 00:00 Uhr, und noch immer strahlen sie ganz glasig. Auch ich habe in der Nacht der Nächte den einen oder anderen Knatterblitz gezündet. Doch gestaltet sich mein Übergang ins neue Jahrzehnt ansonsten etwas kantig. Ja: Das Leben (jedenfalls meines) fordert derzeit eine leicht überproportionierte Dosis an Geduld, Disziplin, Aufgeräumtheit, all das kratzige Zeug. Also krame ich es zähneknirschend hervor: Geduld, Disziplin, Aufgeräumtheit. Und bescheide mich mit dem Gedanken: Es ist ja für einen guten Zweck. Unterdessen sandte mir gestern, am Samstag nach Silvester, eine meiner sagenhaften Freundinnen fürs Leben das Foto vom “Katja-Boat” ganz oben, versehen mit den Grußworten: „Wir sitzen doch alle im selben Katja-Boat… HAPPY NEW YEAR und viele schöne Fahrten!“. 24 Stunden später, also heute, am Sonntag nach Silvester, kam dies hinterher, „Neues vom Katja-Boat“:

    boat2

    Pffffff. Darüber amüsiere ich mich sehr. Freunde sind eine fantastische Einrichtung. Und speziell jene Freundin hat wirklich den Bogen raus, was das Quatschmachen angeht: Angenehm schlicht kalauert sie nicht nur in Wort und Bild, sondern auch stets auf den Punkt. (Stammleser erinnern sich vielleicht noch an die Aufnahme der Gothic-Töchter des spanischen Ministerpräsidenten Zapatero, Überschrift: „Die Pubertät ist kein Ponyhof“. Voilà: dieselbe Freundin.)  Angeregt von ebenjener Freundin und von ebenjenem Katja-Boat, habe ich beschlossen, den Jubel und die Ekstase ungefähr im Monat Februar nachzügeln zu lassen, und dann volles Rohr. Bis dahin werde ich mich irgendwie ins neue Jahr hineinknarzen und habe bereits jetzt folgende zehn Vorsätze gefasst: * Nur noch ausgewiesene Lieblingslieder spielen, aber nicht jedes Mal. * Das dicke Ding bauen, jetzt aber wirklich. * Mich nicht wiederholen. * Dem am 12. Januar 2010 beginnenden und bis Dezember 2011 über mein Horoskop laufenden Ausnahme-Aspekt Pluto-Trigon-Venus mit angemessenem Respekt begegnen. * Tauben gegebenenfalls töten. * Die Nikotin-Entwöhnung auf das Jahr 2011 terminieren. * Ein technikbescheidenes Leben führen, und zwar programmatisch. * Regelmäßig die gute Creme benutzen. * Ferner sein für viele, näher sein für wenige. * Witze nur noch reißen, wenn sie wirklich gut sind. * Ich denke: Das alles müsste zu machen sein.

    2 Leserbriefe | Euphorie im Alltag

    Berlin, Brunnenstraße,
    Mittwochnacht

    December 27th, 2009 — 3:00pm

    Dieser Text ist in einer erstaunlich warmen April-Nacht im Jahr 2008 entstanden, an einem Stück heruntergeschrieben, in einem spontan so entstandenen Loop-Verfahren, zwischen 4 und 6 Uhr in der Früh. Weder ist er je redigiert worden (von mir oder jemand anderem), noch ist er irgendwo auf Papier gedruckt und erschienen. Dennoch zählt er zu den Filetstücken einer der merkwürdigsten Schreib- und Lebens-Phasen, die ich bislang durchschritt, und sollte jemals ein posthumer Sammelband mit den Werken von Katja Kullmann erscheinen (dazu müsste ich allerdings erst noch ein paar intelligente und interessante Arbeiten hinterlassen, schon klar), sollte es also jemals zu einem “Best of Katja Kullmann”-Album kommen, dann bin ich in all dem mir zur Verfügung stehenden Größenwahn dafür, dass man diesen Text mit aufnimmt.

    Hallo, dies ist Berlin-Mitte. Also: Dies ist wirklich Berlin-Mitte. Ein Mittwochabend in der Brunnenstraße, in einer Bar, und da feiert jemand Geburtstag, ein Mensch, den ich bis dahin einmal gesehen und, nun ja, kennen gelernt hatte, jemand, zu dem ich flüchtigst, aber sicherlich freundlich “Hallo” gesagt hatte, beim Geburtstagsfest eines Freundes vor einigen Wochen; dieser Mensch feiert dort also seinen Geburtstag, in jener Brunnenstraßen-Bar mitten in Mitte, und ein Freund, also: ein Kumpel-Freund, also: der Freund, der damals Geburtstag hatte, als ich jenen Mensch kennen lernte, der heute beziehungsweise gestern Geburtstag hatte – ein enger Freund übrigens der Freundin des Menschen, der Geburtstag hatte – also: Der hat mich mitgenommen. In diese Bar in der Brunnenstraße in Berlin, nun ja, Mitte.

    Manchmal, oder vielmehr meistens, läuft es so in Berlin, und nicht nur in der Mitte, ach, und ich glaube, das kann anderswo genau so sein: Dass man freundlicher- und aufmerksamerweise mitgenommen wird, irgendwohin, von einem Freund, und dann steht man in einem Raum, wo im Idealfall Musik läuft (eigentlich läuft ja immer Musik), und wo andere Menschen herumstehen, die ebenfalls von irgendwem dorthin mitgenommen worden sind, und die meisten scheinen sich wohl zu fühlen, und ich glaube, diejenigen fühlen sich am wohlsten, die gar nicht selbst eingeladen waren, denn die zufällig Mitgenommenen trifft am wenigsten Verantwortung, und es kann passieren, dass Diedrich Diederichsen Musik auflegt, und in jener Nacht, also heute oder gestern war es so: Dass Diedrich Diederichsen Musik auflegt.

    dd

    Dazu muss man sagen: Diedrich Diederichsen ist ein Mensch, und er spielt Musike, legt da so seine Platten auf, und wir sind hier nicht bei Spiegelonline, und ich schaue auf den Plattenteller und sehe: weißes Vinyl. Eine LP, keine Single. Ich sehe: Diedrich Diederichsen legt augenscheinlich eine Nice Price-Schallplatte auf, eine Billigpressung, vermutlich aus den späten 80ern, denn damals waren solcherlei Billigpressungen weit verbreitet, weißes Vinyl; ich selbst besitze etwa eine Champs-LP auf weißem Vinyl, die ich -  es muss 1987 oder 1989 gewesen sein – für 9,99 (D-Mark-Preis) in einem Kleinstadtkaufhaus im westdeutschen Mittelgebirge erworben habe, wegen Tequila natürlich, zum Nice Price, ein Nice Price-Aufkleber hatte auf dem Cover gepappt, eine doch sehr schöne Nachpressung des Original-Champs-Plattencovers aus den frühen Sechzigern, aber drinnen: weißes Vinyl, dünn und wabbelig, und gestern Abend oder heute Nacht legt also Diedrich Diederichsen Platten auf, bei dieser Geburtstagsparty, und ich weiß gerade nicht mehr, welchen Song genau er da vom Billig-Vinyl spielte, und ich stelle ultimativo, also noch im selben Augenblick, fest: Es ist egal, welcher Song das genau ist, worauf es ankommt ist dies: Es ist augenscheinlich weißes Nice Price-Vinyl, was da läuft, und ich denke in einem quasi-scheinintellektuellen Anfall, möglicherweise einigermaßen angetrunken, mit einem Schlag über Legendenbildung nach, eine Gedankenlawine rollt auf mich zu und über mich hinweg, so-zu-sagen: Warum Jungs so schnell posthum berühmt werden, selbst wenn sie noch leben, insbesondere, wenn es um Musik geht; und ich denke darüber nach, wie ekelig diese Maschinerie der so called Aufmerksamkeitsökonomie vor sich hin-öttelt, wie da der Auspuff stinkt, und dass ich mein Rapsöl lieber anderweitig investiere, und dass es de facto – wollen wir doch mal die Kirche im Dorf im lassen und den Hund in der Pfanne und die Katze auf dem heißen Blechdach – bloß ein beliebiger Mittwochabend in Berlin Mitte ist, mitten in Mitte, und irgendwer,  ein sehr sympathischer Mensch, übrigens, hat Geburtstag, und ich habe drei Freigetränke-Märkchen in die Hand gedrückt bekommen, und frage mich: Habe ich tatsächlich Lust, mich um Gender-Fragen zu kümmern, in diesem Moment? Oder will ich auf meine alten Tage etwa noch in die Popkritik einsteigen? Und so stehe ich da unverhofft herum, mittwochs mitten in Mitte, und Diedrich Diederichsen legt also Platten auf, und ich sehe: Es ist weißes Nice Price-Vinyl, und ich stelle fest: Es ist nichts, es ist gar nichts, und das ist so gut, dass nichts ist.

    Und was sehe ich sehe ich sehe ich also? Einen bebrillten, nicht allzu stattlichen Mann in schwarzem Jackett, der ganz nett aussieht, so weit, und Platten auflegt, unter anderem eine Nice Price-Platte, und dieses Bild bleibt mir hängen, diese Nice Price-Platten haben so einen kleinkarierten Label-Aufdruck, das will mir einfach nicht aus dem Kopf, ganz im Gegenteil: Das will mit aller Macht dort hinein, der Diederichsen und das weiße Vinyl, und mir fällt auf, dass alles nur ein Riesenmissverständnis sein könnte, alles, alles, also wirklich: alles. Ich kenne den Diederichsen nicht persönlich, und ich denke: Weißes Nice Price-Vinyl, es ist schwer zu erklären, aber: Das tröstet mich so. Das versöhnt mich so dermaßen mit so vielem an jenem Mittwochabend, mit diesem ganzen bescheuerten Berlin, mit dieser ganzen bescheuerten Welt.

    Man könnte an dieser Stelle natürlich weit ausholen – ich sage nur: Feuilleton. Man könnte einen zitierfähigen Text über diesen ganzen Krempel schreiben, zum Beispiel darüber, warum ein Diederichsen weißes Nice Price-Vinyl sehr wohl auflegen darf, andere aber nicht, Himmel, steckt da ein Deleuzianisches Feuerwerk drin, man könnte also die ganze Geisteswissenschaftlersoße noch einmal aufkochen, als wär’s ein Chili con Carne, da geht ja ebenfalls die Legende, dass es besser schmecken würde, wenn man es zum hundertsten Mal aufwärmt, aber ach, denke ich mir – und das alles denke ich tatsächlich in einer rasend schnellen hunderstel Microsekunde – ich will lieber Pommes rot-weiß oder ein Mettwustbrötchen, und ich habe das alles ja auch schon längst aufgeschrieben, zu meinen Uni-Zeiten in den mittleren Neunzigern und habe lauter 1en dafür gekriegt. Soll der Diederichsen doch selber über sein Vinyl schreiben.

    Es ist eine Geburtstagsparty mitten in Mitte, und ich höre, wie mein Freund,  der, der mich auf die Party mitgenommen hat, wie der zu mir sagt, ich solle mal mein Buch weiterschreiben, das sei das Wichtigste, das sagt er in dieser Bar zu mir, und ich schon: angetrunken – au wie! Jedenfalls: Ich solle bloß nicht immer über mich selbst schreiben, das hat er tatsächlich zu mir gesagt, und ich weiß nicht mehr genau, was ich geantwortet habe, aber gedacht habe ich folgendes: Vielleicht will mein Freund mich beschützen, mit diesem Hinweis oder diesem Rat oder dieser Warnung, vielleicht will er da präventiv handeln, indem er mir das sagt, vielleicht ist das ein Akt der Mitmenschlichkeit oder Zivilcourage von ihm, aber andererseits ist es ja so, dass ich überhaupt gar nie über mich selbst schreibe! Jeder, der mich kennt, weiß: Ich schreibe über Schallplatten und über … und so weiter. Und über: Diedrich Diederichsen! Endlich schreibe ich einmal über Diedrich Diederichsen. (Und ich möchte an dieser Stelle doch einmal kurz festhalten, dass ich bis hierhin den Markennamen Spex noch kein einziges Mal habe fallen lassen.)

    Und Diederichsen hat Bob Dylan aufgelegt, und Julie Driscoll & Brian Auger, und ich weiß weiß weiß, dass niemand niemand niemand in dieser Bar wusste, dass das Julie Driscoll & Brian Auger waren. Mag sein, dass der eine oder andere kurz gedacht hat: “Hey, was ist denn das für eine Cover-Version? Ho-ho-ho-ho, das ist doch Come on Baby, light my fire!” Und: “Haben das nicht die Doors mal gebracht? Hieß der Sänger nicht Jim Morrison? Ho-ho-ho-hooooo!” Aber ich ich ich wusste, dass es Julie Driscoll & Brian Auger waren, und Diederichsen wusste es natürlich auch, und vielleicht war das die weiße Nice Price- Schallplatte, ich weiß es nicht mehr, ich kriege die Bilder und die Zeit und die Musik des Abends nicht mehr ganz zusammen, nicht mehr in die richtige Reihenfolge. Was ich noch weiß: Dass mein Kumpel-Freund der Ansicht war, man sehe es mir an, dass ich recht unglücklich sei zur Zeit, und ich sagte so was wie:  “Ja, es ist das Gefühl, als ob jemand einem das Wasser abgräbt, und ich weiß nicht warum”, und gemeinsam haben wir überlegt, ob ich masochistische Züge habe, und Himmerlherrgottnochmal, wer hat die nicht, jedenfalls: Könnte sein, dass ich mein inkorporiertes Kulturkapital, mein popkulturelles Basiswissen verschwende – hat mein Freund angedeutet.

    Und so habe ich da in Ansätzen ein bisschen rhythmisch herumgewackelt und so weiter, und hinten hat Diederichsen Platten aufgelegt, und dann hat er irgendwann die Seeds gespielt, No escape – nicht Pushin’ too hard, sondern No escape, zwei beinahe identische Songs, aber ich ich ich kann sie unterscheiden. Sky Saxon! Und wieder bin ich sicher sicher sicher, dass an dieser speziellen Party, an diesem speziellen Abend in dieser speziellen Bar-Besetzung in der Berliner Brunnenstraße, dass ich dort zu eben jenem Zeitpunkt die einzige einzige einzige war, die erstens, die Seeds erkannt hat und die, zweitens, weiß, wer Sky Saxon ist, und, na ja, irgendwann musste ich dann auch mal gehen.

    Als ich meine Jacke angezogen hatte, habe ich mich zum Diederichsen gewandt, ans DJ-Pult, und er hat sogleich aufgeschaut, und ich habe ihm nicht gesagt, dass das Julie Driscoll & Brian Auger waren, und ich habe ihm nicht gesagt, dass er No escape gespielt hat statt Pushin’ too hard, ich habe bloß gesagt: “Schöne Musik.” Und da hat der Diederichsen gelächelt und ich glaube, er hat sich gefreut, denn ein DJ, der braucht so was, dem gefällt so was, dann weiß er, dass er einen okay-en Job gemacht hat, und dieser Typ da am Plattenteller hat einen okay-en Job gemacht an jenem Abend, mit seiner Nice Price-Platte und so weiter, und niemand hatte sein respektive ihr Ding dazu geschüttelt, außer mir, und warum soll man das nicht einfach sagen, dass jemand einen okay-en Job gemacht hat, warum soll man nicht freundlich zu den Menschen sein, ich glaube, das ist wahre Größe, und so bin ich dann zur S-Bahn gelaufen, mittwochnachts in Berlin-Mitte, und habe beschlossen, dass ich nie mehr über mich selbst schreiben will. Wenn überhaupt, dann nur noch über Diedrich Diederichsen, wie alle anderen auch, wie, Gott verdammt noch mal, alle anderen auch.

    Kein Leserbrief | Das Ressort Jugendkultur (3)

         

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