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Katja Kullmann

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Apropos: Gefühle


Tastatur d’Amour

March 8th, 2010 — 10:42pm

paar

♫ Jackie & The Starlites: They laughed at me

Zunächst kurz zum Song: In der zweiten Hälfte lacht er das Lachen eines Verzweifelten! Denn alle lachen ihn aus! Bis er mitlacht! Indem er sich vorstellt, wie es wäre, eines Tages über die Ex zu lachen! Es ist ein langsames R’n'B-/Doowop-Lied, ein schleichendes Black-Rock-n-Roll-Stück – und mit einem Bein steht es, jedenfalls in der Rubrizierung meiner persönlichen Plattensammlung, bereits im Genre “Obskures/Schräges”, dank seiner theatralischen Heulsusen-Qualität. Die Single (eine “Single” ist eine kleine Schallplatte mit einem verhältnismäßig großen Loch in der Mitte, es gehört eine Tonnadel drauf, dann macht sie Musik), die Single erwarb ich sehr günstig vor etwa zwei Jahren, gelbes Fire & Fury-Label. Sollten Sie die Geduld aufbringen, die drei Minuten durchzuhören, dann erleben Sie, vor allem zum Ende hin, ein Lachen, das Sie sicherlich nie nachlachen möchten.

Nun zum heutigen Thema: Gefühle und Computer. Teresa M. Buecker, eine geschätzte Bloggerin (führte ich ein so genanntes Blogroll, wäre ihre Seite “flannel apparel” in jedem Fall dabei) hat unter dem Titel Liebe ist für alle da einen gehaltvollen Text zur Frage verfasst, wie mit den amourösen Realitäten im Internet umzugehen ist, konkret: Wie es sich zum Beispiel mit dem “Beziehungsstatus” in so genannten Sozialen Netzwerken verhält. Bei Facebook etwa kann man ankreuzen, ob man “Single”, “verheiratet”, “geschieden”, “in einer Beziehung” oder “in einer Beziehung mit …” ist, bis vor wenigen Monaten gab es auch die Status-Alternative “Es ist kompliziert”, so weit ich weiß. Allerdings ist es kein Muss, sich für eines der Felder zu entscheiden. Man kann diese Frage einfach ignorieren, seinen “Beziehungsstatus” also für sich behalten. Buecker hat einen umfangreichen, klarsichtigen Text dazu geschrieben,  unmöglich, ihn nachzuerzählen, der Klick auf den Link oben lohnt sich, wenn Sie sich für dieses Thema interessieren.

Sparten-Fremde, Menschen, die das Internet für einen großen Quatsch halten, werden natürlich nicht dorthin klicken, sie werden ja auch diesen Blog-Beitrag hier nicht lesen. Und sie erachten die Verquickung von “Computer” und “Gefühlen” sicher ganz grundsätzlich als kindisch, krank, feindlich, wenigstens: überbewertet.

Alle anderen aber (also 98,7% derjenigen, die das hier lesen) haben vielleicht schon die eine oder andere Eigen-Erfahrung gemacht mit Computergefühlen. Ob sozial netzwerkend oder stur vor sich hingoogelnd: Die meisten User(innen) werden sie kennen, internetgenerierte Gefühlsmomente. Das kann das “1-2-3-ich-hab’s-bei-Ebay-ersteigert”-Gefühl sein oder die verbissene Debatte in einem Politikforum, Nachtret- und Rechthaberei-Impulse. Der Schock, wenn man durch Zufall im Netz auf den Namen oder das Foto von jemandem stößt, mit dem man nie mehr etwas zu tun haben wollte. Die pulsierende Rastlosigkeit, mit der man das perfekte geile Bild sucht, keins ist geil genug, nein, das auch noch nicht. Oder auch, ganz banal: der Zauber, der von einer frisch empfangenen, schlichten Oldschool-Email ausgeht, “Sie haben Post” – wenn es “Post” von der/dem Richtigen ist. Ja, man kann sich via Internet verlieben, fast jeder kennt einen solchen Fall inzwischen aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis. Und: Ja, man kann auch jemandes Herz brechen oder das eigene beschädigt kriegen, via Internet. Im September vergangenen Jahres berichtete das Magazin PETRA über “digitale Eifersucht”, drei Monate später griff NEON jenes Schlagwort auf.

Ich selbst bin nunmehr im vierten Jahr in soziale Netzwerke eingebunden und mir voll bewusst, dass es  in der Galaxie “online” höchst audifferenzierte, höchst individuelle Ausprägungen von “rest-privatem Empfinden” gibt. Das Verhältnis von Intimsphäre und Exhibitionismus kann unglaublich ausdifferenziert gestaffelt sein, bedeutet tatsächlich für jede(n) etwas anderes. Die einen zeigen 800 Fotos von sich her, die anderen nur elf.  Ich selbst gehöre zu denjenigen, die zwar ein Facebook-Konto unterhalten, sich aber auf weitgehend “unsuchbar”/”unfindbar” eingestellt haben. Auch zähle ich zu jener Fraktion, die die Beziehungsstatusfrage unbeantwortet lässt.  Sagen wir so: Derjenige, der wissen darf (wissen sollte), dass es “uns” gibt, der weiß es. Dafür sorge ich schon. Allerdings auf die herkömmliche Weise, mit Handzetteln, Heißluftballons über der Stadt, Lautsprecherdurchsagen im Supermarkt. Und so weiter. Aber bitte: Das ist nur meine Art. Das muss für andere noch lange nicht zwingend das Richtige sein.

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Heute spielen wir eine Herdplatte

January 26th, 2010 — 1:46pm

soulkitchen

♫ Dorothy Prince: I lost a love

Dieser Blog-Eintrag ist eine Auftragsarbeit und wurde  – ob Sie’s glauben oder nicht – erstellt auf Anfrage eines echten Ministeriumssprechers: auf Anfrage des sympathischen A.B. nämlich.  A.B. wollte wissen, ob ich den neuen Fatih Akin-Film “Soul Kitchen” schon gesehen habe und was ich davon halte, unter besonderer Berücksichtigung des Soundtracks. Wie der A.B. auf solch eine Frage kommt? Ich kann es mir nur so erklären: 1.) Der Film spielt in Hamburg. 2.) Fatih Akin soll bei mir um die Ecke in Ottensen wohnen. 3.) Es geht im Film um Soul-Musik. Meine Antworten fallen jedoch ernüchternd aus: 1.) Nein, ich habe den Film noch nicht gesehen und gehe davon aus, dass ich ihn mir auch nicht mehr ansehen werde, denn irgendwie interessiert er mich nicht. 2.) Fatih Akin ist mir noch nie begegnet. 3.) Die Soundtrack-Playlist habe ich bei Amazon schnellgecheckt – und habe befunden, dass ich das Doppelalbum nicht brauche. Tja: Auch angesichts eines Ministerialratspräsidenten knicke ich nicht ein, sondern bleibe bei der Wahrheit, immer schön den Kopf oben behalten, gerade den Autoritäten gegenüber. Da der A.B. aber wirklich ein angenehmer Mensch ist, habe ich ihm zuliebe nun meine persönliche Seelenküche fotografiert (oben) und ein besonders seelenvolles Stück aus meinem Privatarchiv zum Vorspielen ausgewählt: Dorothy Prince beklagt eine verlustig gegangene Liebe. Nicht, dass diese Auswahl nun irgendetwas Spezielles bedeuten würde, es ist bloß ein fantastisch würdevoller Soul-Song, ein zwar schlichtes, aber doch richtig dickes Stück, und, ganz allgemein gesprochen: Wir alle kennen ja doch Momente im Leben, in denen man so, und zwar genauso und nicht anders singen möchte – behaupte ich hier und heute.

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