♫ The Dirtbombs: Underdog Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.


Und der Name lautet: Detroit/Michigan. Menschen, die mich in echt kennen, wissen, dass ich seit annähernd einem Jahrzehnt davon träume, einmal die (mittlerweile arg abgerissene und zugerichtete) Autobauer-Metropole im Norden der USA zu besuchen. X Städte habe ich dort drüben schon kennen gelernt, bislang aber nicht die Motor City. Sie erzählt vor allem ja die Geschichte eines Untergangs – the rise and fall der Industrie-Moderne. Selbstverständlich interessiert das mein Soziologinnen-Gehirn, rührt das mein abendländisches Herz, of course zieht es mich also dorthin. Bei Steidl ist kürzlich der Fotoband The Ruins of Detroit erschienen, von oben nach unten sehen Sie drei Motive daraus: das verlassene Fort Shelby-Hotel, den verwaisten Rich-Dex-Appartment-Block sowie den brach liegenden Ballsaal des American Hotel. Die so genannte Zivilisation ist hier im Eimer. Ich finde das wirklich faszinierend, wie gesagt: schon seit mindestens zehn Jahren, und mit Häme hat das überhaupt nichts zu tun. Ich mag die USA. Fotografiert wurden die Ruins of Detroit von Yves Marchand and Romain Meffre, geboren 1981 und 1987 “in the Parisian suburbs”, wie auf der Homepage nachzulesen ist. In der Kurzbeschreibung des Fotobandes heißt es: “Detroit, industrial capital of the XXth Century, played a fundamental role shaping the modern world. The logic that created the city also destroyed it. Nowadays, unlike anywhere else, the city’s ruins are not isolated details in the urban environment. They have become a natural component of the landscape. Detroit presents all archetypal buildings of an American city in a state of mummification. Its splendid decaying monuments are, no less than the Pyramids of Egypt, the Coliseum of Rome, or the Acropolis in Athens, remnants of the passing of a great Empire.”
Was Detroit außerdem zu meinem persönlichen Fetisch-Ort macht, ist – natürlich – seine Musik-Geschichte. ALLES kommt letztlich immer irgendwie aus Detroit, ob Soul, Garagenpunk oder House. Etwa 2/3 meiner Schallplatten dürften den einen oder anderen Umweg über Detroit genommen haben, tausend Songs könnte ich dazu jetzt abspielen, ein frühes Motown-Stück, vielleicht von den Marvelettes, oder etwas von Mitch Ryder und den Detroit Wheelers, oder MC5 (“The Motor City 5″). Oder, oder, oder. Spontan, halbwegs unüberlegt habe ich mich nun für die zeitgenössischen Dirtbombs entschieden, eine Rumpel-Rock’n'Roll-Band, die aus den legendären Gories hervorgegangen ist und vom verehrten Mick Collins zusammen gehalten wird. Es ist nicht mein Lieblingslied der Dirtbombs, aber sie singen hier so passend über das Phänomen “Underdog”, dass es mir gleich eingefallen ist.
Sollte ich es in diesem Jahr endlich einmal dorthin schaffen, werde ich selbstverständlich eine Postkarte schreiben.

Die Autorin