
So muss man schreiben. Genau so. Siehe das Text-Sampling, das hier unten gleich folgt – es ist aus Loren d. Estlemans Kriminalroman “Lady Detroit” (“Lady Yesterday”, 1987) zusammengebaut.
Vorab dies: Mit Kriminalromanen kenne ich mich nicht aus. Nicht mein Genre, sozusagen. Aber nun habe ich, aus gewissen Gründen, doch mal wieder einen in die Hand genommen: Lady Detroit (Lady Yesterday,1987) von Loren D. Estleman – in der 1988er Ullstein-Übersetzung von Sibylle Bayer. Es ist einer von fünf, sechs oder sieben Romanen, in denen Estleman seinen Helden, den fiktiven Privatdetektiv Amos Walker, auf Ermittlungen in den Schmutz der Großstadt schickt – und die Sprache hat mich an vielen Stellen umgehauen (wie der Held, Amos Walker, es vielleicht ausdrücken würde). “Anti-lyrisch” nenne ich es, weil mir im Moment keine bessere Beschreibung einfällt und weil “lakonisch” oder “konkret” es allein nicht treffen. Jedenfalls gefällt es mir wahnsinnig gut. Loren D. Estleman ist in den USA ein angesehener Publikums-Autor und kümmert sich nebenbei, etwa mit Anthologien, auch um das Vermächtnis der Pulp Fiction - der amerikanischen “Schund-Lektüre” für kleine Leute, Sex’n'Crime-Romanheftchen, solche Dinge. In einem Interview beschrieb Estleman seinen Romanhelden Amos Walker mal mit den Attributen “ein Typ von spöttischer Güte” und “ein romantischer Realist”, und ein bisschen liest sich das im Interview-Zusammenhang so, als ob der Schriftsteller auch sich selbst damit meint.
Wie auch immer: Literaturkurse sind eh ein Quatsch. Man sollte sie abschaffen. Man muss ja nur ab und zu etwas wie dieses kleine, schmierige, hier unten zitierte Büchlein lesen. Oder etwas anderes. Irgendwas. In jedem Fall: lesen und zuhören. Und sich merken, wie die guten Sätze klingen. Was ist ein guter Satz? Ein Satz, der stimmt. Ein Satz, der alles enthält, was man, zum Zeitpunkt, da er fällt, wissen muss. Ein Satz, der für sich schon eine kleine Geschichte ist.
Loren D. Estleman bzw. Amos Walker – kleines Best-of-Sampling – von einer Lernenden mit Liebe erstellt (hoffentlich hat niemand etwas dagegen):
Sie war zweiundvierzig und sah danach aus, aber auf keine schlechte Art ● Das Haus sah so leer aus wie das Gesicht eines Idioten. ● “Ein großes, saftiges Stück Neunzehnhundertfünfundfünfzig”, sagte er. “Das kannste mir ranschaffen. Hab’s zu schnell gegessen beim ersten Mal.” ● Der Pickup lief immer noch nicht, als ich den Hörer einhängte. Er klang wie ein Schwein, das an einer Ananas vorbeischürft. ● Und danach fing ich wieder an zu denken. Nichts, wofür ich einen Preis bekommen hätte. ● “Er war der typische kleine Mex frisch vom Bananenboot, kannte gerade mal sechs englische Wörter, drei davon waren ,Mama’. Er las mich in ‘nem Bumsladen am Fluss auf, und wir gingen in seine Rattenfalle von Hotel. Er bot mir fünfhundert für sechs Wochen Ehe mit ihm. Ich schaute mir das Bündel an und ihn und sagte: , Mach tausend draus, und wir lassen uns morgen scheiden.’” ● “Name?” Der Ton des Portiers war nicht hundertprozentig freundlich. ● “Überall in Europa rasen Terroristen in Bettlaken durch die Gegend und murksen Leute ab, weil sie amerikanisch aussehen, und in jeder Hemisphäre lagert genug Sprengstoff, um die Welt ein paar mal in die Luft zu jagen. Die Sonne brennt aus, und was der Gouverneur für den Friseur ausgibt, würde ein Drittweltland ein Jahr lang am Leben erhalten.” ● Auf das Klingeln hin kam eine Frau an die Tür, die ich nicht kannte, ein starkes Stück mit einem mörderischen Kliff spröder blonder Haare vor der Stirn, löffelförmigem Gesicht, Lippen, die aussahen wie nach einem Bienenstich, und einer Nase, die heftig bearbeitet worden sein musste, damit sie wie ein Knöpfchen in der Mitte ihres Gesichts wirkte. Sie trug einen orange geblümten Hausmantel, den sie in der Taille mit einem Plastikgürtel festgeschnallt hatte, und roch nach der Art Parfum, die etwa so viel kostet wie Diesel und sich ähnlich bemerkbar macht.” ● Eine böse Schönheit lag in seinem Gang. ● “Die Kinder kriegten ein Lager auf dem Boden im Wohnzimmer, und ich musste in ‘nem Bett mit Miami-Vice-Wäsche schlafen.”







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