Köhler, Käßmann, Koch und, wer weiß, am Ende auch noch Kevin Kuranyi? ODER: Wie ein Bestseller entsteht
Ich fürchte, das hier wird wieder so ein nerdiger Labertaschenblogbeitrag. Ich erkläre Ihnen jetzt mal, wie ein Beststeller entsteht, und es wird etwas wirr werden.
Was für ein Tag. Überhaupt. Und erst im Internet! Es ist wirklich vollkommen, hey!, crazy. Es ist alles so … elektrisch aufgeladen. Was für ein hibbeliges Frühjahr! Gleich zwei Verabredungen für heute Abend sind mir geplatzt, nun bin ich nach Hause gegangen, meines Planes für tonight beraubt, halbwegs aufgewühlt noch vom Schlagzeilenfluss der Werkstunden, und kann mich nicht konzentrieren. Mein Hirn hat gerade das Zappelphilippsyndrom, was weiß ich, statt dass ich die Finger von der Tastatur lasse, tippe ich übergangslos weiter. Aber es ist doch auch so! Der heutige Montag bislang: ein einziger News-Ticker! Köhler – was ist da jetzt los? Nur zur Hälfte rhetorisch, polemisch, ironisch gefragt – zur anderen Hälfte aber eins zu eins: Warum tritt der Mann in Wirklichkeit zurück? Was ist der wahre Grund? Vielleicht ist es, insgeheim, etwas ganz Privates. Vielleicht hat er einfach keine Lust mehr.
Jedenfalls, wie auch immer: Ich wollte es nicht mehr tun – aus Facebook zitieren. Es ist billig und indiskret. Und ich nutze Äußerungen von Dritten, ohne um Erlaubnis gefragt zu haben. Schmücke mich sozusagen mit fremden Federn (<eine selten doofe Metapher). Aber es beschäftigt mich zu sehr, es steckt zu viel drin, ich möchte das mal festhalten, was heute wieder war. (Wohin führt das? Die digital transportierte Verschriftung von Gesprächen? Zwar sind sie, wenn sie als Mails oder “Kommentarfolge” erscheinen, “aufgeschrieben”, also nicht “gesprochen”, aber doch in so genannter Echtzeit, also beinahe so spontan wie ein mündliches Gespräch.)
Also zum Köhler und zu den verschrifteten Unterhaltungen folgendes: Köhler gibt völlig überraschend seinen Rücktritt bekannt – etwa eine halbe Stunde später macht einer meiner schlauesten Freunde dazu einen sarkastischen Facebook-Witz, in der Art: “Nun wird die SPD bestimmt Margot Käßmann für das Amt vorschlagen” – etwa eine weitere halbe Stunde später kommt die Pressemitteilung: “Der niedersächsische SPD-Vorsitzende Olaf Lies schlägt Käßmann for President vor” – wir können es beide nicht fassen, weder der schlaue Freund, noch ich – dass ein schlechter Scherz sich so rasend schnell verwirklicht, dass er so utlimativ adhoc in die Realität überführt wird, und dass man so verdammt Recht haben kann wie mein schlauer Freund – er, der Freund, findet darauf drastische Worte (spontane Internet-Rechtschreibung): “ich will aus deutschland raus. ich ertrags nicht mehr. abgeschmackt, peinlich, freiwillige gleichschaltung.” – es geht ein paar Mal hin und her, ich antworte irgendwann (ebenfalls Original-Orthographie): “ich fürchte, das ist ein nebeneffekt des erwachsen werdens: diese entzauberung hinnehmen zu müssen. „entzauberung” in dem sinn: viel weniger menschen haben recht, mit dem was sie öffentlich vor großem publikum sagen dürfen, als man sich das so vorgestelllt/gewünscht hat, früher, als kind oder jugendlicher. plötzlich bist du selbst erwachsen und erkennst das – wie hast du’s genannt – abgeschmackte an poltiikern, predigern, am journalismus. mit dem älter werden ist es so: die lehrer werden weniger (also diejenigen, von denen man gern lernen möchte.) man muss dann eines tages selbst der/die lehrer(in) sein. und – ja – das ist vermutlich überall so. man muss damit leben, dass man das durchschaut. man muss den schmerz aushalten können. ich kenne das.” – und dann schreibt der kluge Freund folgenden schlichten, aber überaus bombastischen Satz an seine so genannte Pinnwand. Der Satz klingt so, als hätte ich ihn schon mal woanders gelesen, aber ich glaube, das stimmt nicht, ich glaube, mein Freund hat ihn heute erfunden, der Satz lautet: “ich will regiert werden.” (Vollständig zitiert heißt es: “die regierung muss mehr wissen, können, mehr ideen haben und mehr im griff habben als ich, ich will regiert werden.”) ICH WILL REGIERT WERDEN. Think about it! Der Satz ist ein Brocken, in mehrfacher Hinsicht.
Dann noch eine andere Kleinigkeit, die heute quasi im Scherz entstanden ist – als Kalauer geplant, aber dann wider Erwarten zu etwas angeschwollen: zu einem fiktiven Buchtitel. Ein englischsprachiger Kumpel (ein anderer als der oben) hatte mir einen Song vorgespielt – mit einem bestimmten Titel – worauf ich aus Quatscherei heute behauptete, dass ebenjener Songtitel einen super Buchtitel ergäbe. Das Buch hieße dann (auf Englisch): I DON’T WANNA DISCUSS IT. 77 WEIRD STORIES. Ich dachte, ich würde mich beruhigen, wenn der Abend sich erst einmal niederlässt usw. usf.. Ich dachte, ich käme wieder runter. Aber ich komme nicht runter! Ich beruhige mich einfach nicht! Es ist jetzt ein ganzes Buch in meinem Kopf entstanden! Wie werde ich das wieder los? Das Buch heißt I DON’T WANNA DISCUSS IT. 77 weird stories vom anderen Ende der Leitung, und die erste der 77 Stories heißt, natürlich: ICH WILL REGIERT WERDEN.


