• Hallo!
  • Buch 1
  • Buch 2
  • Weiteres
  • Weltpresse
  • O-Töne
  • Fotos
  • Impressum
  • Start

Katja Kullmann

Alltag aktuell

  • Tastatur d’Amour
  • Menschen mit dem gewissen Extra
    Heute: Miranda July
  • Post von daheim
  • Liebe über 38 und andere schöne Themen
  • Neue Wege in der Innenarchitektur.
    Heute: Geschlechtsteil-Tapeten
  • Wenn das Glück Dich nur ein bisschen kitzeln will und Dir dabei versehentlich eine Rippe bricht
  • Die Grottenolm-Debatte
  • Sotheby’s
  • Den Fauser im Nacken
  • Wenn das Glück Dir von hinten
    in die Kniekehlen tritt

Alltag archiviert

  • Blog "Euphorie im Alltag"
  • Ressort Jugendkultur
  • Ressort Leute
  • Ressort Schönheit
  • Ressort Skandale
  • Ressort Verbrechen
  • Ressort Vermischtes

Apropos: Soul


Heute spielen wir eine Herdplatte

January 26th, 2010 — 1:46pm

soulkitchen

♫ Dorothy Prince: I lost a love

Dieser Blog-Eintrag ist eine Auftragsarbeit und wurde  – ob Sie’s glauben oder nicht – erstellt auf Anfrage eines echten Ministeriumssprechers: auf Anfrage des sympathischen A.B. nämlich.  A.B. wollte wissen, ob ich den neuen Fatih Akin-Film “Soul Kitchen” schon gesehen habe und was ich davon halte, unter besonderer Berücksichtigung des Soundtracks. Wie der A.B. auf solch eine Frage kommt? Ich kann es mir nur so erklären: 1.) Der Film spielt in Hamburg. 2.) Fatih Akin soll bei mir um die Ecke in Ottensen wohnen. 3.) Es geht im Film um Soul-Musik. Meine Antworten fallen jedoch ernüchternd aus: 1.) Nein, ich habe den Film noch nicht gesehen und gehe davon aus, dass ich ihn mir auch nicht mehr ansehen werde, denn irgendwie interessiert er mich nicht. 2.) Fatih Akin ist mir noch nie begegnet. 3.) Die Soundtrack-Playlist habe ich bei Amazon schnellgecheckt – und habe befunden, dass ich das Doppelalbum nicht brauche. Tja: Auch angesichts eines Ministerialratspräsidenten knicke ich nicht ein, sondern bleibe bei der Wahrheit, immer schön den Kopf oben behalten, gerade den Autoritäten gegenüber. Da der A.B. aber wirklich ein angenehmer Mensch ist, habe ich ihm zuliebe nun meine persönliche Seelenküche fotografiert (oben) und ein besonders seelenvolles Stück aus meinem Privatarchiv zum Vorspielen ausgewählt: Dorothy Prince beklagt eine verlustig gegangene Liebe. Nicht, dass diese Auswahl nun irgendetwas Spezielles bedeuten würde, es ist bloß ein fantastisch würdevoller Soul-Song, ein zwar schlichtes, aber doch richtig dickes Stück, und, ganz allgemein gesprochen: Wir alle kennen ja doch Momente im Leben, in denen man so, und zwar genauso und nicht anders singen möchte – behaupte ich hier und heute.

2 comments » | Blog "Euphorie im Alltag"

Das menschliche Gehirn

January 20th, 2010 — 10:30pm

tja1

♫ Joe Bataan: Special Girl

Ich möchte niemanden in die Irre führen (wirklich nicht), darum sage ich es gleich: Die Überschrift hat mit diesem Journal-Eintrag nun wirklich gar nichts zu tun. Es geht heute nämlich ausnahmsweise um nichts Besonderes. Nur kurz anmerken möchte ich, dass ich – nach dem Daten-Crash, den diese Seite erlitten hat – nun also alle ehemals hier archivierten Texte einzeln aus dem Back-up-Wust friemeln und mich Fall für Fall entscheiden muss, ob es die Mühe lohnt, das jeweilige Stück noch einmal neu zu formatieren, gegebenenfalls mit einem Bild zu versehen und in den Stand der Re-Veröffentlichung zu versetzen. Beim Text über die Zürcher Langstraße unten ist das der Fall: Er gefällt mir immer noch recht gut, und da die Stadtsoziologie sich für mich mehr und mehr vom bloßen Interesse zu einer Art, nun ja, Leidenschaft entwickelt (siehe auch den aktuellen Fall Altona), kommt der alte Text mir gerade (wieder) recht. Abgesehen davon, möchte ich Sie mit drei Sachverhalten vertraut machen: 1.) Ich habe dieser Tage wirklich absolut gar keine Zeit fürs Internet, halte mich aber zu wenig daran. 2.) Am Wochenende soll der Winter von derzeit roundabout null auf bis zu minus 15 Grad zurück-einbrechen. 3.) Daher lasse ich Ihnen, wie neulich schon, ein warm vor sich hin dängelndes Latin-Stück da. Guten Abend.

4 comments » | Blog "Euphorie im Alltag"

Altona zum Anfassen (3)

January 10th, 2010 — 5:12pm

piratos2boogaloopowwow
♫ Willie Rosario: Shining Knight

Winter halt. Er kommt mir gerade recht. Beim sonntäglichen Versorgungsspaziergang zum Schmuddelkiosk meines Vertrauens habe ich soeben ein weiteres Piratos-Piece fotografiert, den Afro-Ritter oben. (Wie auch für das Bild des kleinen Jungen unten gilt: Ganz sicher bin ich mir nicht über den/die Urheber.) Die zweite Aufnahme, das schön angezogene Schwarzweiß-Paar, stammt vom Cover einer Schallplatte, die ich mir unlängst zugelegt habe: “Boogaloo Pow Wow. Dancefloor Rendez-vous in young Nuyorica”, ein Doppelalbum mit Latin-Soul-Stücken der späten 60er, New York-Stil, erschienen auf dem mir bis dato unbekannten Label “Jons Honest Records” (Ladbroke Grove, London, England). Latin-Sound ist definitiv eine meiner Rand-Lieben. Draußen dick Schnee und ein eisiger Wind, drinnen Conga-Geplänkel, Midtempo. Das passt sehr gut zusammen.

2 comments » | Blog "Euphorie im Alltag"

Singles, Schweiß und Pirouetten

December 28th, 2009 — 3:15pm

Erschienen 2009 im ROLLING STONE

northernsoulMit dem Soul ist es einfach: Entweder man hat ihn, oder man hat ihn nicht. Der Soul heult und jubelt, ohne Rücksicht auf Verluste, er verhandelt Gefühle, ganz ohne Tarnung, ganz ohne Ironie. Motown ist für die meisten die Einstiegsdroge. So auch für mich: Herbst 1990, ich bin nach England gereist, zum „2nd Magic of Motown and Northern Soul Weekender“ in Great Yarmouth, einer Kleinstadt im mittleren Osten Englands, ein Wuppertal am Meer, das Festivalgelände liegt in einem Campingpark für die Mitarbeiter des Autokonzerns Vauxhall. Ringsum sehe ich kahl rasierte, polternde britische Männer in Trainingsjacken, Verkaufsstände mit Platten, der Geruch von Fish&Chips hängt in der Luft.

Punkt 22 Uhr geht in der Bingohalle kurz das Licht aus, für zwei Sekunden, dann flackert es wieder auf, die ersten Töne von Smokey Robinsons „Tears of a Clown“ erklingen – und Dutzende Menschen strömen auf einen Schlag von allen Seiten aufs Tanzparkett, als ob es eine Abmachung gegeben, als ob die das einstudiert hätten. Die grobschlächtigen Engländer tanzen, wie ich noch nie Leute tanzen sah, alle in ähnlichem Rhythmus, wiegend, gleitend, elegant, leicht, machen Ausfallschritte, holen Schwung mit den Armen, drehen sich präzise wie Eiskunstläufer, die Oberkörper aufrecht, aber die Beine, was die Beine machen, das ist der helle Wahnsinn.

Man kann es nicht deutlich genug sagen: Northern Soul ist eine Subkultur, deren Musik zwar aus den USA kommt, die im Kern aber zutiefst britisch ist. Fred Perry-Shirts, Sporttaschen, Schweißbänder, die erhobene linke Arbeiterfaust als Zugehörigkeits-Emblem („badge“), bequeme Schuhe, klare Regeln fürs Benehmen auf dem Tanzboden, ein ausgefeiltes Plattensammel- und Listenwesen und nicht zuletzt die altehrwürdige Idee des „Respekts“ für einzelne DJ- oder Tänzerleistungen: All dies ist tief im Working Class-Duktus verwurzelt.

Schon beim Begriff „Northern“ fängt es mit den Briten an. Der Gedanke liegt nahe, das „Northern“ diene als Abgrenzung zum „Southern Soul“ und beziehe sich auf den Produktionsstandort innerhalb der USA: Da sind auf der einen Seite die „Stax-“, „Hi“- und „Goldwax“-Labels aus Memphis/Tennessee, mit Künstlern wie Otis Redding, James Carr oder Anne Peebles, deren Musik oft einen Hauch Schwermut enthält, alles ein Tick langsamer, dem Gospel nah –auf der anderen Seite der schnelle, verspielte, gut tanzbare Soul aus den urbanen Zentren im Norden der USA, etwa Philadelphia oder Detroit.

Erfunden und geprägt hat den „Northern“-Begriff jedoch der britische Musikjournalist Dave Godin, und was er damit 1970 erstmals beschrieb, war die Kluft zwischen der überkandidelten Metropolen-Szene in London und der raueren Jugendkultur im industriell geprägten Norden Englands. Schon in den 60er Jahren hatten die Mods den Soul aus Amerika gehört. Doch mit der dekadenten Ära des Swinging London zerfaserte die Hauptstadtszene zusehends. Während die hippe Londoner Psychedelic-Fraktion ihr langes Haar nun zu Artrock schüttelte, entdeckten die frühen Skinheads den Reggae; derweil schüttelte man in den Vorläufern der 70s-Diskotheken zu blutleer durchproduziertem Funk sein „Ding“.

Die Industriekinder im Norden folgten einem anderen Rhythmus. Nach dem werktäglichen Stahlbad in den Auto- und Werftfabriken wollten sie am Wochenende vor allen Dingen eins: tanzen, schwitzen, vielleicht die Leichtigkeit des eigenen Körpers spüren, wegfliegen. Die treibenden Beats aus Berry Gordy’s „Motown“-Schmiede und von zahlreiche kleineren, unbekannten Labels trafen auf den jugendlichen Hunger nach Bewegung. Godin, der Journalist, sah damals im „Twisted Wheel“-Club in Manchester junge Männer in sportlicher Kleidung, die auf der Musik zu segeln schienen. Begeistert nannte er es „Northern Soul“, gründete die Tamla-Motown-Appreciation-Society und stiftete der Bewegung ihre Selbst-Definition. Noch heute lautet ein geflügeltes Wort in der Szene: „In Godin we trust“.

George Orwell hatte in seinem dokumentarischen Roman „Road to Wigan Pier“ schon 1937 den Großraum Manchester als Höllenheimat des Proletariats beschrieben, und ausgerechnet dort lag in den 70er Jahren einer der wichtigsten Northern Soul-Clubs aller Zeiten: das Wigan Casino. Szene-Anhängern ist der 1981 geschlossene Ballsaal eine Legende wie anderen das Studio 54 in New York. Auch im „Mekka“ in Blackpool und im „Golden Torch“ in Turnstall fanden damals erste Allnighter und Weekender statt, die partytechnischen Vorläufer der 25 Jahre später erblühenden „Rave“-Euphorie rund um den Club „Hacienda“ in Manchester: ein eigenwilliger, ekstatischer Ausgehkodex jenseits der Weltstadt London. Trendige oder gar teure Kleidung spielt dabei keine Rolle, es ging und geht ums Wohlfühlen, den „Loose fit“, das uneitel lässige Dabeisein, eine robuste Euphorie.

Nie war die Northern Soul-Bewegung eine Oldie-Kultur, in dem Sinn, dass stets die dieselben alten Lieder aufgelegt wurden. Im Gegenteil: Nach seltenen Schallplatten auch kleiner Labels zu forschen, nach Vinyl-Raritäten wie nach Schätzen zu graben, hält die Szene bis heute lebendig. Nicht von ungefähr heißt einer der frühen bedeutenden Vertriebe für wiederveröffentlichte Soul-Raritäten „Goldmine“. Auch das 1982 gegründete „Kent“-Label wurde schnell zu einer wichtigen Bezugsquelle für Wiederauflagen seltener Stücke, so genannter Re-Issues. Szene-Insider schätzen das Potenzial des Genres auf rund 35.000 Songs.

Auch wenn einzelne, besonders gesuchte Scheiben mehrere Hundert oder gar Tausend Euro kosten: Für wahre Liebhaber kommen nur die Original-Singles in Frage, erst Recht beim Auflegen. Zu den international bekanntesten einheimischen DJs und Sammlern zählen Marc Forrest aus Berlin, der seit bald 20 Jahren zum Hip City Soul Club ins Hinterzimmer eines Hauptstadt-Pubs lädt, und Jörg Brenner aus München, der bis in die USA gebucht wird und einen kleinen Vinyl-Handel betreibt. „Es ist eine Frage des Stils und letztlich auch ein Ehrenkodex“, erklärt Brenner die Sache mit dem Vinyl. Altgediente DJs hätten die Musik in jahrelanger Arbeit zusammengetragen und anderen überhaupt erst zugänglich gemacht. „Klar kann man sich vieles heute auch in zwei Minuten als mp3 herunterladen. Die echten Soul-Fans zollen dem DJ und seiner Plattensammlung aber immer noch Respekt, die wissen, wo das alles herkommt.“ In der Tat ist es ein herrlich altmodischer Brauch in der Szene, dass die DJs einen besonders raren Song anmoderieren. Und wenn es eine gelungene Wahl war, bedanken sich die Tänzer schon mal mit Applaus. Bevor sie sich den Schweiß von der Stirn wischen, den Hosenbund hochziehen und sich weiter drehen und drehen und drehen.

Comment » | Ressort Jugendkultur

     

↑ Back to top

© Copyright | Katja Kullmann | Licensed under a Creative Commons Attribution-Noncommercial-Share Alike 3.0 Unported License.