Ist es zu glauben? Dass ich das nicht schon früher gelesen habe als jetzt, in den vergangenen 36 oder so Stunden? TIQQUN – Grundbausteine einer Theorie des Jungen-Mädchens ist in seiner ersten (französischen) Fassung schon 1999 veröffentlicht – dann im Jahr 2006 in Frankreich neu aufgelegt worden – und inzwischen auch auf Deutsch beim Berliner Merve Verlag erschienen, als ziemlich günstiges Taschenbuch. Und ich sage Ihnen: Es ist der absolut aufregendste Text, der mir seit langer Zeit untergekommen ist! Wie konnte ich das ECHTLEBEN schreiben, ohne das zu kennen? Je ne sais pas!
Ein durch und durch pamphletartiges Stück Prosa ist das – letztlich eine Aneinanderreihung von Parolen, Aphorismen, Slogans, Zetereien und Micro-Theorie-Fitzeln – einiges wiederholt sich über die gut 130 Seiten – bisschen Mantra-Style auch. Aber so dicht und klar und scharf und … wie soll ich sagen … schlau und amüsant und bitter zugleich. Fantastique! Magnifique! Himmel, die Franzosen – wie die heuer abgehen! Mit Stéphane Hessel kann ich allerdings nicht so ganz viel anfangen. Das Manifest Der kommende Aufstand vom Unsichtbaren Komitee (Nautilus) ist hingegen im ECHTLEBEN zitiert (und auch hier in diesem Blog schon kurz erwähnt).
Nun also das Jungen-Mädchen. Trotz des irgendwie genderig klingenden Begriffs hat es mit Geschlechterzeugs praktisch nichts zu tun – lassen Sie sich davon nicht in die Irre führen! Es geht um Männer genau so wie um Frauen – um “Verführungskraft” und “Arbeitskraft”, wie die Autoren schreiben. Im Merve-Verlags-Text zum Buch heißt es u.a.: “Zum zweiten hat alles, was das Junge-Mädchen tut, etwas Professionelles an sich, da es seine gesamte Existenz als eine Frage des Managements betrachtet.” Diese Schrift ist, obschon ein paar Jahre alt, heiß – trust me (faites-moi confiance).
Die Autorin