Die mutmaßlich berühmteste Bibliothekarin der Popgeschichte …
… heißt Karen und wurde 1978 von den australischen Go-Betweens besungen.
Es klingt so:
“Karen” ist/war die B-Seite des Go-Betweens-Songs “Lee Remick”, einer Ode an die gleichnamige US-Schauspielerin (1935-1991). Letztlich sind beide Songs aber etwa gleich berühmt, würde ich sagen: die Hymne auf die Mimin wie die Anhimmelung der Büchereibekanntschaft. “Karen”, das verhaltene Verehrungslied für eine von fern angeschwärmte öffentlich-rechtliche Literaturangestellte, die “wie eine Nonne in der Kirche” in der Bibliothek herumsteht (also unantastbar), dieses Lied hat die zweite Hälfte meiner Pubertät entscheidend geprägt. Es lief einfach ständig, überall, jedenfalls zwischen 1985 und 1992, jedenfalls im Großraum Rhein-Main, jedenfalls bei der samstäglichen Indie-Pop-Nacht “Idiot Ballroom” mit DJ Carlo in der Batschkapp in Frankfurt-Eschersheim. Mehreres ist fantastisch, wunderbar, zeitlos, markant und schön an diesem Song, unter anderem die schlichte Zeile: “Wish I heard voices, wish I was a telephone.” Oder das hier: “I want a tiger on bended knees, with all the kindness of the Japanese.” Oder auch: “She helps me find James Joyce, she always makes the right choice.” Außerdem natürlich die Art und Weise, wie (Bertolt) Brecht hier ausgesprochen wird (”Brrrräckt”). Glücklicherweise habe ich die Schallplatte (mit hellblauem Lee Remick-Cover) vor zwei bis drei Jahren wieder erstehen können, nachdem ich sie zwischenzeitlich – irgendwann in den 90ern, überstürzt, voreilig, stupidesterweise – aus meinem Portfolio verstoßen hatte. Lange schon wollte ich es Ihnen einmal vorspielen, lange habe ich auf einen Anlass gewartet, so richtig einer hat sich bislang nicht ergeben – außer, dass ich derzeit extrem (!) viel über Bücher nachdenke. Weder besitze ich ein iphone, noch ein ipad, da bin ich ziemlich out of date, ich denke also an die herkömmlich-trutschigen Papp- und Papierdinger, you know what I mean. Türme davon stapeln sich derzeit in meiner Wohnung – nahezu unangetastete, jungfräuliche oder bislang nur auszugsweise gelesene Türme aus Rest-Cellulose-haltigem Material. (<Wie ist das hier mit den Bindestrichen, nach der Rechtschreibreform, eigentlich?) Die Schwierigkeit: Ich komme nicht hinterher. (Bald auch nicht mehr drum herum, um die Türme.) Das meiste sind Sach- und Lachgeschichten. Mittlerweile hat jedoch auch der Turm “schöne Literatur” eine bedenkliche, fast schon kippelige Höhe erreicht. Ungelesene Belletristik, die aber gelesen werden soll und möchte, alphabetisch geordnet: *** Baker, Nicholson: Der Anthologist (Beck) *** Balestrini, Nanni: Tristano No 7770 von 109.027.350.432.000 möglichen Romanen (Suhrkamp) *** Bongartz, Barbara: Topmodel (Weissbooks) *** Dobler, Franz: Letzte Stories (Blumenbar) *** Kern, Björn: Das erotische Talent meines Vaters (Beck) *** Oskamp, Katja: Hellersdorfer Perle (Eichborn) *** Pehnt, Annette: Man kann sich auch wortlos aneinander gewöhnen, das muss gar nicht lange dauern (Piper) *** Smith, Zadie (Hg.) et al.: Das Buch der anderen (Kiepenheuer & Witsch) ***
Sagt mir bitte einer, quando, sagt mir bitte einer, wann?