Jörg Fauser – ein Geburtstagsgruß

Alles Gute, Fauser!

Der folgende Text ist, genau wie der Diedrich-Diederichsen-Text, niemals irgendwo erschienen außer hier, er ist in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2011 so zusammengeschrieben.

Immer am 16. Juli denke ich an Jörg Fauser. An jenem Datum im Jahr 1944 kam Fauser im hessischen Bad Schwalbach zur Welt – so wie ich, zwar einige Jahre später, aber am selben Datum, im hessischen Bad Homburg geboren wurde, ein paar läppische Kilometer Luftlinie entfernt. Neben dem gemeinsamen Geburtstag und der selben Heimatregion verbindet uns noch vieles andere. Das behaupte ich jedenfalls gern. (Von irgendwas muss eine Hybris zehren.)

Einmal, in den frühen 80ern, ich war ungefähr 13, Jörg ungefähr 39, hielten wir uns sogar im selben Raum auf und hörten die selbe Musik: in der Alten Oper in Frankfurt am Main. Dort gab Achim Reichel ein Konzert – mit Songtexten von Jörg Fauser. Fauser drückte sich derweil backstage herum (und schrieb später eine Reportage über die Reichel-Tour), ich saß im Publikum, neben meinem Vater, der ein großer Reichel- und Fauser-Fan war und ist. Seit jenen Tagen, seit dem siebten Schuljahr, sitzt der Fauser mir fest im Nacken – und zu verdanken habe ich das eben meinem Vater – dem ich auch, irgendwann in den frühen 90ern dann, als ich selbst schon ein paar Texte für Geld geschrieben hatte, die Original-Ullstein-Ausgabe von Rohstoff aus dem Bücherregal entwendete, ein Buch, das ich bis heute in Ehren halte.

Öfters blättere ich im Rohstoff herum, einfach so. Auch als es beim Schreiben vom Echtleben mal ganz, ganz mies lief, zwischendrin, habe ich wieder hineingeschaut. Mir genügt dann meist der Tonfall … irgendetwas genügt dann tatsächlich immer daran … und etwas löst sich in meinem Kopf und ich kann dann besser weiterschreiben. Vielleicht kann man sagen: Ich orientiere mich an seiner, hm, Haltung. Weil sie mir etwas sagt, weil sie mir einleuchtet, weil ich ihr glaube. Auf Seite 159/160 im Echtleben kommt der Jörg sogar vor – er wird da von einer Bekannten im Buch ein bisschen fies von der Seite angemacht – ich verteidige ihn nicht, im Buch, und dass ich das dort eben nicht tue, ist ein Witz, den nur der Fauser und ich verstehen. Auch das schöne Wort “Kulturproduktionsbürokratie” habe ich ihm geklaut und im Echtleben verwendet. Fauser findet: “Meinetwegen, mach’ halt.”

Inzwischen habe ich natürlich fast alles von ihm gelesen. (Nicht alles ist superspitzenklasse, aber bei wem schon?) Und beide, der Jörg und ich, haben auch das Riesen-Fauser-Revival ganz gut überstanden, das vor ein paar Jahren kurz aufbrandete – war es zu seinem 60. Geburts- oder zu seinem 30. Todestag? – und bei dem Benjamin von Stuckrad-Barre mit einer Fauser-Texte-Lesetour durchs Land zog. “Ach”, haben der Fauser und ich da kurz gedacht und ein kleinbisschen quasi-bösartig gekeckert, auf die hessisch-verschlagene Tour, “wir beide kennen uns aber schon ungefähr ein Vierteljahrhundert lang, gell?”

Manche sagen, der Fauser habe die Frauen gehasst, zumindest: verachtet. Ich denke, es ist was dran, und dann aber auch wieder nicht. Er kam einfach nicht sonderlich gut mit ihnen aus. Und als Frau sage ich: So wie der Fauser mit seinem Mannsein umgegangen ist, so gehe ich vielleicht mit meinem Frausein um. Schon ein bisschen rüpel(innen)haft, vielleicht. Aber womöglich (aller Wahrscheinlichkeit nach) auch wieder nicht. Im Grunde interessiert es mich gar nicht so besonders. Ich war auch nie “verliebt” in den Fauser oder sowas. We’ve got a different thing going on.

Nach einer kleinen Trinkerei zu seinem 43. Geburtstag kam der Jörg im Sommer 1987 ums Leben. Er lief nachts auf die Autobahn bei München-Riem und wurde von einem Lastwagen überfahren. Das ist nur einer der Gründe, warum ich bis heute mit Alkohol vorsichtig bin und den Großraum München meide.

Alles Gute, Fauser!