Ich finde ja: Wenn man schon Geburtstag hat, sollte man a) zusehen, dass man ein nettes Fest veranstaltet (allein schon, um geile Geschenke abzugreifen, wenigstens aber um eine sättigende Dosis Liebes- und Freundschaftsbestätigungen, Umarmungen, Lobpreisungen aller Art einzuholen). Oder aber, sollte ein Fest akut nicht zu organisieren sein, b): dass man den betreffenden Tag an einem Ort verbringt, an dem man sich wohlfühlt, an dem man sich ein gewisses Kurzzeit-Aufblühen zutraut und dies dann auch volleuphorisch, äh, durchzieht (wenigstens für diesen einen Tag, ja?).

2016 verbrachte ich besagten Tag, meinen 46., in Portugal, in Lissabon (bzw. am Strand von Fonte de Telha vor den Toren der Stadt) – Aufblühen dort voll verwirklicht – roger-roger, check-check.

2017 verbrachte ich besagten Tag, meinen 47., in Zürich – und zwar äußerst unfreiwillig, und auch nicht eigentlich in Zürich, sondern im unwirtlichen, menschenmissachtenden Quasi-Gewerbegebiet in unmittelbarer Umgebung des Flughafens Kloten (Was für ein Name schon! Man denkt ja automatisch an verschrumpelte Testikel, n’est-ce pas?). Ich hielt mich in den Tagen zuvor aus beruflichen Günden in Zürich auf, der Rückflug war für den 15.7., den Tag vor meinem Geburtstag, fest gebucht – und erstmals hatte ich es da mit einem sogenannten Overnight-Delay zu tun – bedeutet: Swiss Air entschied sich kurzfristig, den Flug einfach ausfallen zu lassen – es mangele leider gerade an Personal, erklärten die urkomischen Schweizer den knapp 200 baffen Passagieren, das allerdings erst nach 2-3 Stunden völlig informationsfreier Wartezeit am erst eröffneten, dann plötzlich wieder geschlossenen Abflug-Gate. Worauf ein Großteil der Passagiere, so auch ich, nach wiederum mehrstündigem Hin & Her inklusive alleralbernstem Registrierungsnerv gegen 22 Uhr in ein … sie nannten es Hotel … gekarrt wurde, unmittelbar in der Mitte eines Flughafen-Schnellstraßen-Kreuzes gelegen, ein Hotel, dessen Fenster in der muffigen Hotel-Hochsommerhitze keinen Spalt zu öffnen waren, Klimaanlage, haha, und das ansonsten mit drei bis fünf Reisebussen voller extrem … sagen wir … lebenslustiger chinesischer Geschäftsmänner belegt war, weshalb an Schlaf nicht zu denken war, was es aber ohnehin nicht war, denn tagsdrauf (an meinem Geburtstag also) hieß es gleich schon wieder um 4.30 Uhr wach sein und auf den Shuttle-Bus zurück zum Terminal warten, um den frühestmöglichen Ersatz-Rückflug zu erwischen. (Jene Geburtstagsnacht war so ziemlich die besch******te, an die ich mich erinnern kann, sie war so supersicko sch***e, dass es eigentlich beinahe schon wieder toll war, jedenfalls kann ich erst jetzt, ein Jahr später, offen davon erzählen, und ohnehin muss ich sagen: Sooo attraktiv wie noch vor ein paar Jahren finde ich die Schweiz inzwischen sowieso nicht mehr, und Swiss Air werde ich ganz bestimmt nicht noch einmal mit meiner Kundschaft beehren, und ich hoffe, das klingt jetzt nicht zu sehr nach grumpy old cat, nicht zu sehr nach lausiger Verbraucherinnenbeschwerde, wobei es das natürlich ist, aber naja & well well – es bleibt hier ja entre nous.)

2018 jetzt, zu meinem 48., griff ich mir umso beherzter wieder das Meer, diesmal halt das nächstgelegene, die Ostsee.

Dort erfuhr ich unter praller Hochsommersonne, in einen blaugrün gestreiften Strandkorb (yeah!) geschmiegt, aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (Ausgabe 15.7.2018), dass die verehrte Christine Nöstlinger gestorben ist (meine taz-Kollegin Patricia Hecht führte vor 1,5 Jahren, als ich noch nicht bei besagter Zeitung war, ein großes Interview mit ihr). Bei Twitter (wo ich keinen Account unterhalte, aber ich schaue gelegentlich von außen mal hinein) sah ich später, dass viele, vor allem Frauen, einen bestimmten Tweet zu Nöstlingers Tod teilten, einen Tweet, der sich an die spektakuläre Nöstlinger-Heldin Gretchen Sackmeier erinnert. Und was kann man von jenem Gretchen Sackmeier lernen, welche Gretchen-Sackmeier-Weisheit machte also bei Twitter die Runde?

Fahre ans Meer, wenn sich dein Leben komisch anfühlt.

So wusste ich dieses Jahr also, nicht zuletzt dank Christine Nöstlinger, dass ich genau zum rchtigen Zeitpunkt am genau richtigen Ort war. Möge Frau Nöstlinger nun andernorts ihre oberkluge Menschenfreundlichkeit möglichst breitflächig streuen.

Nun bin ich schon 48 Jahre und zwei Tage alt, nun bin ich nach 5 Tagen Meer schon wieder zu Hause, und das Leben fühlt sich augenblicklich immer noch ein bisschen komisch an, was hier jetzt aber zu weit führen dürfte.

Lieber lasse ich zur Feier des Ganzen (also: zur Feier von praktisch allem & jedem) den Northern Soul sprechen, lieber lasse ich einen echt fies aufgemachten Typen hier jetzt auftreten – und zwar auf die sweetest denkbare Art. Merke: “Auch in einer noch so rauen Schale kann sich ein ganz ein weicher Kern verbergen”.

Komm’ Burschi, tanz’ für Mama, so ist’s fein:
>>> Schauen Sie HIER.

Abschließend schmeiße ich hier unten in der Dia-Show noch mit ca. 20 Shades of Blue um mich.

Immer euphorisch,
immer alltäglich,
immer die Ihre: KK

July 18, 2018