Große Freude:

Das ECHTLEBEN ist seit vergangener Woche wieder in Umlauf – als Taschenbuch neu aufgelegt im überaus geschätzten SUHRKAMP Verlag.

Es fasst immer noch 256 Seiten — trägt nun die ISBN-Nummer 978-3-518-46944-6 — kostet jetzt 11 Euro — und ist fortan auch als E-Book zu haben.

>>> Hier geht es zur Buchseite beim Suhrkamp Verlag.

The seven year itch.

Vor sieben Jahren, 2011, erschien es erstmals, damals noch im (alten) Eichborn Verlag — und es wurde sehr schnell zu dem wohl meistbesprochenen meiner bisherigen vier Bücher.

Es geht darin, in erzählerischer Esssayform, um das Verrutschen etlicher Gewissheiten – sozialer, ökonomischer, politischer Gewissheiten. Um Existenzangst und meine eigene Phase als HartzIV-“Kundin”, um Distinktionsspiele, Honorardumping, Klassenneid und letztlich auch um das gesellschaftliche Vorspiel zu Phänomenen wie Pegida & AfD (von denen damals freilich noch niemand, auch ich nicht, etwas ahnte), um das wegbereitende Klima für alt-neuen Rassismus und alt-neuen Klassismus.

Nils Minkmar schrieb damals in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung darüber:

“ECHTLEBEN ist ein wichtiges soziologisches, politisches Buch, das man immer amüsiert liest und das manchmal zum Lachen reizt, obwohl es eigentlich eine traurige Geschichte erzählt. (…) Mit poetischer Genauigkeit erzählt. (…) Es ist ein die ,Alles-wird-gut-Rhetorik’ der Merkel-Jahre widerlegendes Buch, das die individuellen Kosten eines politischen Schwindels vorrechnet.”

Ursula März befand in der Zeit:

“Katja Kullmann rechnet mit den schönen Lebenslügen der freien Kreativen ab. Ihre Hartz-IV-Phase ist nur ein Element im Gesamtszenario schwankender Existenz. (…) Ein aktuelles, dringend zu empfehlendes Buch.”

Bernd Hüttner meinte im Neuen Deutschland:

“Katja Kullmanns Buch wird überall empfohlen und bejubelt. Zu Recht. Es ist eine spannend zu lesende Sozialdiagnose über ein bildungsstarkes Milieu, das nun auf dem Boden der Tatsachen angekommen ist. Sie schreibt sehr ehrlich, auch wenn ihr Buch Teil dessen ist, was sie kritisiert, und sie zu den Gewinnern gehört, zumindest im Moment. Es gibt ausgesprochen lustige Passagen und viele, die traurig stimmen.”

Meine absolute Lieblingskritik stammt aber von Wolfgang Müller, dem Künstler und Musiker, der einst die legendäre Tödliche Doris mitschuf – und der besonders genau hingesehen, hingehört hat, wie ich finde. Müller schrieb in seiner Literaturkolumne “Doris liest” in der Jungen Welt:

“Was das Buch so angenehm macht (…), ist seine Offenheit und seine Ironie. Diese webt die Autorin elegant in die geschilderten Grausamkeiten und kalten Fakten. Dabei fehlt jener überlegen-allwissende Gestus, der beispielsweise die ,Terrorexperten’ bei ihren kapitalen Fehlprognosen in ZDF und ARD immer so unerträglich macht. (…) Hier wird Dichtung und Wahrheit untersucht, wobei sich eine unterschwellige Melancholie, mitunter verzweifelte Fröhlichkeit offenbart. (…) Nie taucht eine Spur Bemühen auf, kein Versuch, den Anschein von Neutralität, Objektivität, Abgeklärtheit und Distanziertheit zu erwecken. Eher Zweifel, schöne Wortreihen und böse Gedanken.”

Es ist mir eine Ehre, eine kolossal anspornende Bestätigung, beziehungsweise ein bestätigender Ansporn, dass der Suhrkamp Verlag das ECHTLEBEN nun also wieder ins Gespräch bringt. Es ist ein schönes Gefühl, nun damit umgezogen zu sein, zu dem Verlag, in dem auch meine Detroit-Reportage RASENDE RUINEN erschien und den ich unter den deutschsprachigen ohnehin am meisten schätze.

An dieser Stelle auch noch einmal der Hinweis zur Neuauflage meiner Novelle, meiner Erzählung FORTSCHREITENDE HERZSCHMERZEN BEI MILDEN 18 GRAD, die in einem Kosmetiksalon spielt und von der unerfüllten Liebe einer Beauty-Dienstleisterin zu einem Feuilletonredakteur handelt. 2004 erschien das Buch erstmals im literarischen Programm des ebenfalls schwerst geschätzten Verlags Kiepenheuer & Witsch (KiWi) – vor einigen Wochen, im März 2018, entschloss sich auch KiWi zu einer Neuauflage als Taschenbuch und E-Book.

>>> Hier geht’s direkt zum neuen KiWi-Link.

Eines Tages … wird auch das fünfte da sein.

In diesem Sinne,
und unterdessen,
keine Frage,
weiterhin die Ihre:
KK

October 1, 2018