Schon brutal, wie das eigene Fantum seit einer Weile zurückschlägt, wie es mir nunmehr ja beinahe schon wöchentlich sagt: “Tja, du wirst alt und älter, Darling, face it’n smile.” Schon wieder sind zwei Leute gestorben, deren Werke, deren Zeug ich einigermaßen eichhörnchenmäßig horte.

Man/ich könnte/sollte ruhig einmal etwas bei diesem Gedanken verweilen: bei den Abschieden von Lehrerinnen und Lehrern, die sich mit der Zeit eben häufen, usw. – allein, die Zeit, die Zeit, ich hab’ sie im Moment nicht. Immer ist jedenfalls sofort das Bedürfnis da, die Gestorbenen wenigstens als Schlagwort in diesem Blog noch einmal minimal zu würdigen. Und das hat sicher auch mit dem Bedürfnis zu tun, das eigene Geschmacks-/Bildungs-/Werte-/Ideen-Archiv schön aufmerksamkeitsheischend in der Öffentlichkeit auszustellen.

Wieder ein Text (nennen wir’s Essay), der einstweilen nicht geschrieben ist – obwohl ich nichts lieber täte und obwohl das Schreiben bislang ja mein Beruf war, sozusagen.

Und das quälende Nichtschreiben also nur, weil so viel anderes dauernd los ist, “Termine, Termine, Termine”, “Schichten, Schichten, Schichten”.

Persönliche Feststellungen nach den ersten fünf Monaten 2018: a) Es passiert einem immer wieder, auch im fortgeschrittenen Erwachsensein, dass man sich verläuft oder verzettelt – interessant, es ist tatsächlich so. Sowie b): So kann es definitiv nicht weitergehen, nicht auf Dauer.

Hm.

Jüngst also abgetreten: Robert Indiana, dessen appetitliche Kunst (“Eat. Die”) seit Jahrzehnten meine Küche(n) schmückt (siehe Foto oben, der Druck hängt an der Seitenwand meines Kühlschranks). Egal wohin ich je gezogen bin: Das Kochen und ich, wir sind niemals so richtig enge Freunde geworden, das Kunstwerk ist also auch als freundliche Warnung an meine Gäste zu verstehen. Robert Indiana jedenfalls hat die berühmte, oft kopierte Vier-Buchstaben-Skulptur LOVE geschaffen – sie war für ihn Ein tragischer Riesenerfolg, wie Peter Richter jetzt in einem Nachruf in der Süddeutschen Zeitung schreibt. Möge Herr Indiana nun andernorts schöne Sachen mit Buchstaben machen und endlich auch angemessen dafür bezahlt werden.

Gestorben ist jetzt auch Philip Roth – zu dem es hier nicht ganz so viel zu sagen gäbe wie zu Tom Wolfe – aber auch Philip Roth steht mit dem einen oder anderen Buch in meinem Regal, auch dieser Mensch hat hier durchaus dieses und jenes angeregt, aufgescheucht oder bewirkt, mit seinen Sachen. Er war nicht allen geheuer, heißt es im Nachruf der geschätzten taz-Kollegin Doris Akrap. Möge Herr Roth nun andernorts ein bisschen für Aufregung sorgen.

Derweil wurschtele ich erst mal etwas grummelig weiter, auf dem unaufgeräumten Planeten Erde.
Wie wir alle.
Muss ja.

Immer die Ihre: KK

May 25, 2018