Werk & Vita


Katja Kullmann, 1970 in der Nähe von Frankfurt am Main geboren, lebt als Schriftstellerin und Journalistin in Berlin. In ihren Erzählungen, Essays und Reportagen beschäftigt sie sich bevorzugt mit sozialer Distinktion und Statusgerangel, mit dem Geschlechterzirkus, der Pop(-ulär)-Kultur und der wundersamen Welt der Arbeit.

Für ihr erstes Buch, Generation Ally. Warum es heute so kompliziert ist, eine Frau zu sein (Eichborn, 2002), erhielt sie 2003 den Deutschen Bücherpreis in der Kategorie Sachbuch. Es handelt von einer Feminismuslücke, wurde in vier Sprachen übersetzt und stand 24 Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste.

2004 – und 2018 neu aufgelegt – erschien bei Kiepenheuer&Witsch Fortschreitende Herzschmerzen bei milden 18 Grad, eine Erzählung, die in einem Kosmetikstudio spielt und von Klassenlagen und Liebe handelt. Tobias Rüther befand in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:

… ein Musterfall des aktuellen Angestelltenromans, aus präziser Beobachtung geschöpft, was wohl auch daran liegt, daß Katja Kullmann für ihr erstes Buch sehr genau studiert hatte, wen sie da im zweiten beschreibt: Frauen im Postfordismus.

Im viel diskutierten Prekaritäts-Essay Echtleben. Warum es heute so kompliziert ist, eine Haltung zu haben, 2011 bei Eichborn, 2018 neu bei Suhrkamp erschienen, schildert sie auch ihre eigenen temporären Hartz-IV- Erfahrungen. „Ein wichtiges soziologisches, politisches Buch“, schrieb Nils Minkmar in der F.A.S., „ein aktuelles, dringend zu empfehlendes Buch“, fand Ursula März in der Zeit, „eine furiose Selbst-, Fremd- und Rundumbezichtigung“, meinte Simone Meier im Zürcher Tages-Anzeiger. Wolfgang Müller (Die tödliche Doris) erkannte und beschrieb Stil und Methode der Autorin:

Was das Buch so angenehm macht, ist seine Offenheit und seine Ironie. Diese webt die Autorin elegant in die geschilderten Grausamkeiten und kalten Fakten (…) Nie taucht eine Spur Bemühen auf, kein Versuch, den Anschein von Neutralität, Objektivität, Abgeklärtheit und Distanziertheit zu erwecken. Eher Zweifel, schöne Wortreihen und böse Gedanken.

2012 erschien bei Suhrkamp Rasende Ruinen. Wie Detroit sich neu erfindet, eine Sozialreportage über Niedergang und Wandel der früheren US-Industrie-Metropole.

2013 folgte sie einer Einladung als writer in residence in das Ledig House in Upstate New York, USA. Essayistische und literarische Beiträge erschienen in verschiedenen Anthologien.

Journalistisch ist sie seit Oktober 2017 als ressortübergreifende Themenchefin bei der Tageszeitung taz tätig, vornehmlich zuständig für Titelthemen und die Seite Drei. Bis Juli 2017 war sie Vize-Chefredakteurin der Wochenzeitung Der Freitag, wo sie auch das Kulturressort leitete. Zuvor arbeitete sie als Ressortleiterin Report (Jahreszeiten Verlag) und Redakteurin (dpa, Gruner+Jahr) und schrieb als freie Autorin u.a. für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die Magazine Monopol und Emma, den Tages-Anzeiger (Zürich), Datum (Wien) sowie Analyse & Kritik (Berlin).

Als Speakerin moderiert, diskutiert und referiert sie über kulturelle und politische Themen, etwa für die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Uni Zürich und das Goethe-Institut.

Katja Kullmann hat kein Smartphone, aber einen Magister in Politologie, Soziologie und Amerikanistik, kein Auto, aber ein Autogramm von Jörg Fauser. Sie mag Schallplatten, Schnittblumen und Straßenbahnen und folgt im Wesentlichen zwei Maximen: „Intelligenz & Wärme“ sowie „Euphorie im Alltag“.