Supermagneten – the next big thing?

Ab morgen, 13.8., am Kiosk: Der neue Freitag, u.a. mit einem Gespräch mit Holm Friebe und Annika von Taube zum hochspannenden Thema Magnetismus – warum die Begeisterung für diese Naturkraft langsam, aber sicher (wieder) wächst, genauso wie die Ängste davor, was das mit Yoga und der Weimarer Republik zu tun hat, mit Verschwörungstheorien und Kunst – und was in der Ausstellung Supermagnets – The Power of Attraction zu sehen sein wird, die übermorgen, 14.8., in Berlin eröffnet.

>>> HIER JETZT SCHON ONLINE ZU LESEN, das ganze Gespräch.

(Und hier auch.)

U-Bahn-Bücher 1
Alberto Moravia – “Ein anderes Leben”

Schon seit einer Weile will ich diese Kategorie hier mal einführen: U-Bahn-Bücher. Nun ist ausgerechnet Hochsommer, gar nicht unbedingt die Haupt-U-Bahn-, sondern eher die Fahrrad-Saison. Aber ich bin aktuell so begeistert (von einer weiteren Alberto Moravia-Lektüre), dass ich die lose Serie hiermit starte.

Zur Gattung U-Bahn-Bücher generell: Als solche verstehe ich zuallererst mal handliche, dünne, leichte Bücher (Taschenbücher sind hier freilich ganz vorn dabei), solche, die man bequem im innerstädtischen Verkehr mit sich herumtragen kann, gegebenenfalls auch in einer Manteltasche. (Noch immer lese ich am liebsten auf Papier, Ebooks werden hier bis auf Weiteres also nicht vorkommen.) Die zweite Qualität, die U-Bahn-Bücher auszeichnet: Sie enthalten kurze Texte – entweder einzelne (Kurz-)Geschichten oder knappe Kapitel bz. Episoden – so dass sich auch auf einer U-Bahn-Strecke von vielleicht 7 bis 22 Minuten Fahrtzeit ein halbwegs befriedigendes Leseerlebnis einstellt. (Die U-Bahn kann, je nach Verkehrsanbindung, selbstverständlich auch als Straßenbahn oder S-Bahn gelesen werden, das Prinzip ist das gleiche.) In Berlin verbringen sehr viele Menschen die Zeit, die der Transport mit öffentlichen Verkehrsmitteln dauert, lesend. Immer noch. Grob geschätzt: Nur etwa ein Drittel der BVG-Fahrgäste wischt während der Fahrt auf Elektrogeräten mit Kommunikations-, Abhör- und Smiley-Funktion herum. Ein weiteres Drittel schaut einfach nur so in die Gegend oder unterhält sich oder liest die Nachrichten auf den News-Bildschirmen. (“Wieder ein neuer Eisbär im Berliner Zoo!”). Das dritte Drittel liest tatsächlich Bücher. Fast kommt es mir vor, als werden es sogar mehr. Und was für Bücher, keineswegs nur Schrott. Neulich sah ich einen jungen Mann mit Wolfgang Koeppen (Rührung meinerseits), vorgestern saßen zwei sich augenscheinlich fremde Menschen nebeneinander, der eine mit T.C. Boyle, die andere mit DBC Pierre (was ja ziemlich gut zusammenpasst). Selbstverständlich kann man auch dickere, schwerere Bücher mit sich herumtragen und, wenn es etwa ein langer Roman ist, im innerstädtischen ÖPNV halt immer nur ein ganz kleines bisschen weiterkommen … zwischen den Stationen eben … was ich persönlich doch oft nervig finde. Unbefriedigend. Das bislang letzte Opus Magnum, das ich auf jene Weise las, also peu à peu immer nur so 3-5 Seiten am Stück, war Célines Reise ans Ende der Nacht in einer antiquarischen Ausgabe von 1958, also in der alten Übersetzung. Es nervte, weil ich oft mitten in einer Szene, einem Dialog, unterbrechen musste – sozusagen gerade immer dann, wenn die Sache mal wieder zu irgendwas kulminierte. So ist die Lektüre eines Romanswohl nicht gedacht, erschwerte Bedingungen, den Zauber eines Romans entdecken und genießen zu können. Also ging ich irgendwann dazu über, gezielt nur noch kurze, schnelle, kleine Texte/Bücher für die Transportzeiten zu wählen – U-Bahn-Bücher eben. Die kleine Form – eine große Kunst. Auf besonders gelungene Werke der kleinen Form werde ich hier jetzt also ab und an mal hinweisen.

Ein mustergültiges Beispiel für jene Gattung ist Alberto Moravias Erzählungsband Ein anderes Leben von 1974 (nur noch antiquarisch zu haben, kostet da aber auch nur 1-3 Euro, erschien zuletzt 1974 im Osten im Aufbau-Verlag und 2000 im Westen in der rororo-Reihe bei Rowohlt). 31 kurze Geschichten, vielmehr: 31 fiktive Protokolle enthält der Band, keiner der Texte ist länger als vielleicht 6 oder 7 Seiten – und alle Stories sind im Ich-Modus von Frauen erzählt – da spricht die Stewardess, die höhere Tochter, die auf lähmende Art Verheiratete, die Sekretärin, die lieber Journalistin wäre, die Mutter, die aufmüpfige Pubertäre, die Depressive – alles Skizzen aus der damaligen Gegenwart Italiens. Irre gut gemacht, irre kompakt, ein sehr dichtes, äh, Momentaufnahmenpanorama des mehr oder minder mittelschichtigen Frauen-Lebens in den 1970er Jahren, interessanterweise von einem damals 64 Jahre alten Mann verfasst. Es war eben der tolle Alberto Moravia, der u.a. mit Pier Paolo Pasolini bekumpelt war und auf den hier früher, im alten Blog, schon einmal freundlich hingewiesen wurde, weil Moravia zu den Lieblingsschriftstellern des Hauses zählt.

Soundprobe: der Beginn der Titel-Story Ein anderes Leben:

Es ist Sonntag, mein Mann ist nicht in Rom. Das Dienstmädchen hat ihren freien Tag, ich bin allein zu Hause. Das ist mir gar nicht so unangenehm. Schon deshalb, weil ich mich nun uneingeschränkt und hemmungslos dem unsagbaren Genuß hingeben kann, den mir meine neue große, wunderschöne Wohnung bereitet, in die wir erst vor sechs Monaten eingezogen sind. An diese Wohnung, Sinnbild meines Aufstiegs und meines Erfolgs, kann ich noch immer nicht recht glauben. Ich gehe von einem Zimmer ins andere, bleibe immer wieder in den Türen stehen, versinke in Andacht, erstaunt, fasziniert. Ich betaste sogar die Türen, die Möbel, die Wände, als wollte ich mich vergewissern, daß dies alles Wirklichkeit ist und mir gehört. Ja, ich habe in den letzten zehn Jahren ein gutes Stück Wegs zurückgelegt, aus der kleinen Wohnung meiner Eltern – drei Zimmer und Küche, Aufgang D, Tür 16 in einer elenden Mietskaserne – bis zu dieser luxuriösen Terrassenwohnung. Ich wäre aber in der größten Verlegenheit, müßte ich sagen, wie ich es geschafft habe. Seltsam, es ist mir, als habe es zwischen jener Elendswohnung und dieser Terrassenwohnung nichts anderes gegeben. Ich bin hier und nur hier, dreißig Jahre alt, noch schön und jung und damit beschäftigt, an einem Sonntag durch die Zimmer meiner Wohnung zu gehen. Ich bin ganz Gegenwart, ohne Hintergründe, ohne Erinnerungen, ganz heute und hier.

Bert Neumann

Der Bühnenbildner Bert Neumann (Foto: W. Minke) und eine Ansicht des "Hotel Romantic World", das er 2002 für eine Volksbühnen-Inszenierung von Dostojewskis "Der Idiot" baute. (Das Publikum saß im Hotel auf der Drehbühne, die Schauspieler agierten ringsherum in einer von Neumann gebauten "Neustadt")
Der Bühnenbildner Bert Neumann (Foto: W. Minke) und eine Ansicht des “Hotel Romantic World”, das er 2002 für eine Volksbühnen-Inszenierung von Dostojewskis “Der Idiot” baute. (Das Publikum saß im Hotel auf der Drehbühne, die Schauspieler agierten ringsherum im Saal in einer von Neumann gebauten “Neustadt”.)

Huch, wie traurig und schade: Der – wegweisende, großartige – Bühnenbildner Bert Neumann ist überraschend gestorben, im Alter von nur 54 Jahren. Er prägte den Auftritt der Berliner Volksbühne unter Frank Castorf, arbeitete vor allem sehr eng mit dem Regisseur René Pollesch zusammen. Ein dpa-Nachruf auf Neumann ist etwa beim Tagesspiegel zu lesen, dort findet sich auch ein Neumann-Interview aus dem April; ein Neumann-Interview von 2010 findet sich bei ZEITonline.

Es ist ja eher selten, dass ein Mensch, der Bühnenbilder baut, in seiner künstlerischen Arbeit so anerkannt wird wie es bei Neumann der Fall war. Die Stärke seiner Arbeiten ergab sich auch aus einer sehr spezifischen, Volksbühnen-typischen Form der Zusammenarbeit zwischen Regie, Schauspielern und eben dem Bühnenarchitekten. 2012 inszenierte Pollesch das Stück Neues vom Dauerzustand am Schauspielhaus Hamburg. Für das dortige Schauspielhaus-Magazin Hawaii führte ich anlässlich der Uraufführung ein Gespräch mit der Schauspielerin Sophie Rois – und Rois erklärte, wie wichtig Neumanns Arbeit für den Volksbühnen-Pollesch-Komplex war:

Und wie entwickelt man daraus dann Theaterstücke? Wie arbeitet Ihr zum Beispiel jetzt gerade, hier am Schauspielhaus?

Es beginnt irgendwann Monate vorher mit einem Gespräch. „Hast du Zeit und Lust, machen wir wieder was zusammen? An dem und dem Theater? Mit welchen Leuten?“. Und gleich im Anfangsstadium kommt die Frage: „Wer macht die Bühne?“ Ein Glücksfall ist es, wenn es Bert Neumann ist. Ich fühle mich durch seine künstlerische Intelligenz aufgewertet und geschmeichelt. Der Bühnenbilder ist enorm wichtig, er schafft den Raum, in dem du dich als Schauspieler bewegst. In einem dummen, geschmacklosen Bühnenbild bist du erledigt. Ich mag zum Beispiel keine Bühnenbilder, wo ich schon gleich den Auftrag rieche: Mach dies, mach das! Viele Schauspieler freuen sich vielleicht, wenn sie eine Hüpfburg auf der Bühne sehen. Mich wird man da nicht springen sehen. Wenn ich so was vor mir sehe, verweigere ich mich sofort. Es läuft also eher so: Man entwirft zusammen eine Art künstlerische Versuchsanordnung.

Neumanns plötzlicher Tod ist wirklich traurig, vor allem eben einfach: viel, viel zu früh. Möge er nun anderswo die Bühne einrichten, so, dass man einfach nicht wegsehen kann.

PROMO! PROMO! PROMO!
Superzeitung!

Ab morgen, 30. Juli, im Handel:

“Was machst du eigentlich immer bei dieser Zeitung?”
“Zeitung.”

Da Sie das Kleingedruckte in den AGB des Internetangebots katjakullmann.de bestimmt überlesen haben, war Ihnen sicher nicht klar, dass hier in regelmäßigen Abständen Werbung geschaltet wird. Ist halt so.

Ab morgen, 30. Juli, bundesweit im Handel: die neue Superausgabe der Wochenzeitung DER FREITAG!

Wieder einmal mit Hammerthemen, Spitzentexten, allem Pipapo. Unsere persönlichen Favoriten (alles mehr oder minder feuilletonistisch, alles im engen oder weiteren Sinne mit Kullmann-Einmischung entstanden):

Seite 1: STRESS AUF DER BAUSTELLE
Zum magischen Dreieck Der-8-Stunden-TagÜberstundenAndrea Nahles

Seite 11: “,MANN’ IST EIN SCHIMPFWORT”
Der Schriftsteller und Musiker Thomas Meinecke im Gespräch – warum er sich als männlicher Feminist sieht und Frauen für die besseren Intellektuellen hält

Seite 13: YES. WE. CAN.
Der bald schon “genialisch” zu nennende Georg Seeßlen über die Übel des sogenannten Deutschpop (u.a. geht es um das soeben erschienene Buch Deutschpop, halt’s Maul von Frank A. Schneider, Ventil Verlag)

Seite 17: UNSER MANN IN ÜBERSEE
Christian Krachts umstrittener Roman Imperium ist jetzt auch in den USA erschienen. Die Amerikaner mögen das Buch des Schweizers (!) sehr.

Seite 22: NICHTS WIE WEG HIER!
Wie die Entdeckung des erdähnlichen Planeten Kepler-452 b neue Fluchtfantasien weckt

Seite 23: “ICH INTERESSIERE MICH FÜR DIE REBELLION DER LUST”
Die (Post-)Punk-Künstlerin Lydia Lunch schwankt heute zwischen Verbitterung und Sex-Ekstase

Rennen Sie! Kaufen Sie! Lesen Sie!

Kepler-452 b – und Konstantin Perker

Gerade eben, am 23. Juli 2015, hat die Tagesschau (so wie etliche andere, äh, Weltmedien) aufgeregt die Entdeckung des Planeten Kepler-452 b vermeldet:

Die NASA spricht von einem “aufregenden Erlebnis”: Ihre Forscher haben einen Planeten entdeckt, der der Erde relativ ähnlich ist. “Kepler-452b” befinde sich in der bewohnbaren Zone nahe eines anderen sonnenartigen Sterns.

Der "erdähnliche Planet" Kepler-452 b (fotografiert von der Nasa)
Der “erdähnliche Planet” Kepler-452 b (fotografiert von der Nasa)

Kepler-452 b ist ganz und gar nicht der einzige “erdähnliche Planet”, den Astronomen über die vergangenen Jahren ausgemacht zu haben glauben. Das weiß ich, weil ich Astronomisches einigermaßen interessant finde (ohne nennenswerte Physik-Kenntnisse, auch ohne jeden UFO-Glauben, sondern aus bloßer Vorstellungsfreude). In regelmäßigen Abständen lese ich z.B. Nasa-Nachrichten, oft ohne viel zu verstehen.

Nun ist es so, dass ich im vergangenen Herbst einen quasi-literarischen Text für das Literatur-Kunst-Kultur-Magazin METAMORPHOSEN schrieb, konkret für die METAMORPHOSEN-Ausgabe No. 37, die sich das Thema Böhmische Dörfer vorgenommen (und den AutorInnen vorgegeben) hatte. Der Text trägt den Titel LIEBER KONSTANTIN PERKER und ist in (gänzlich fiktiven) E-Mail-Episoden verfasst. Und: Er dreht sich u.a. um erdähnliche Planeten. Ich denke: Der Text hat eine unklare bis bescheidene Qualität. Darum stand er bis jetzt nicht im heiligen Kullmann-Textarchiv. Nun, da es aber die ganz reale Kepler-452 b-Aufregung gibt … – ist er ins Archiv aufgenommen.

>>> Zum Weltall-Text LIEBER KONSTANTIN PERKER

Da ich ein lustiges Kerlchen bin, spiele ich hier unten noch ein putziges Lied zum Thema und verbleibe ansonsten mit freundlichen Grüßen, immer die Ihre: KK

Beate Klarsfeld

Beate Klarsfeld, links im Bundestag in Bonn 1968, rechts mit ihrem Sohn Arno
Beate Klarsfeld, links im Bundestag in Bonn 1968, rechts mit ihrem Sohn Arno

Beate Klarsfeld – meist als Nazi-Jägerin tituliert, auch wenn ihr das nicht so ganz recht ist, wie sie mehrfach andeutete – hat heute das Bundesverdienstkreuz erhalten. Nicht, dass das Bundesverdienstkreuz ohne Zweifel, ohne Skepsis zu betrachten wäre! Im Fall Klarsfeld klappte es erst im dritten Anlauf, was die Sache aber doch interessant macht. 2012 kandidierte sie, auf Ernennung der Partei Die Linke hin, bei der Wahl des/der Bundespräsidenten/in gegen Joachim Gauck. Im selben Jahr unterstützen sie und ihr Sohn Arno den Konservativen Nicolas Sarkozy im französischen Präsidentschaftswahlkampf. Unsperrig oder geschmeidig sind die falschen Attribute für diese Persönlichkeit.

2012 schrieb ich dieses KLARSFELD-PORTRÄT für den Freitag, das man (glaube ich) immer noch lesen kann.

Immer die Ihre: KK

Gerade erst eingeschult …

… und – zack! – 45.

Plan für die nächsten 12 Monate (derselbe wie in den 540 Monaten davor): großtanzen, was schön & richtig ist – wegtanzen, was dumm & überflüssig ist – zusammengefasst: tanzen, teilen & hie und da ein paar verstörende Sätze fallen lassen.

Tollstes Geschenk bislang: Pluto, der eiskalte Planet mit Herz, wie ihn die Nasa-Sonde New Horizons jetzt termingerecht fotografiert hat.

Juli-Vollmond-Musik

Gestern bzw. heute fand der erste Juli-Vollmond dieses Jahres statt, der zweite kommt am 31.7. und wird ein besonders fetter Blue Moon sein. Was ein Blue Moon ist, steht hier. Was dort auch steht:

Es gibt keine einzige wissenschaftliche Studie, die einen Einfluss des Mondes, zum Beispiel auf Geburten, Unfälle, Operationskomplikationen, Selbstmorde und dergleichen ergeben hat. Dagegen gibt es aber mehrere Studien, die solche behaupteten Einflüsse widerlegen.

Nicht, dass irgendjemand auf die Idee kommt, ich sei eine Eso-Tante. Ich stehe bloß auf Naturschauspiele, that’s all. Und ich stehe mittlerweile eben auf technologische Musik aus dem Großraum Detroit – wie z.B. auf das, was Mike Huckaby gestern bei dieser Party hier bei uns im allerschönsten Berliner Stadtteil überhaupt, dem Wedding, aufgelegt hat. Es folgen zwei qualitativ lächerlich schlechte Beweisfotos (Stimmungsbilder!) und ein schön pumpelnder Huckaby-Track älterer Schule. Juli-trunken, superfaul & herzlich: Ihre KK

Rummel in der Post-Punk-Truhe – Boys & Girls – Partners in crime – Katja lässt die Sau raus

Die Band Malaria in den frühen 80ern (Foto ausgeliehen von monika-enterprise.de)
Die Band Malaria! in den frühen 80ern (Foto ausgeliehen von der Webseite des von Gudrun Gut gegründeten Labels Monika Enterprise)

Juhu, ich habe da einen Schreibauftrag für diesen Sommer, einen unter vielen, und, yeah, in diesem Fall einen, auf den ich heiß bin (auch wenn nur 10.000 Zeichen dafür vorgesehen sind, also wieder mal praktisch nichts). Es soll noch geheim bleiben, logisch – aber ich muss Ihnen einfach schon ein paar lose Brocken aus dem Labor hinknallen, aus unbremsbarer Begeisterung. Im Folgenden werden Sie von ca. 100 Links überrollt. (Dafür werde ich Sie im Monat Juli weitgehend in Ruhe lassen, im Internet und auch sonst, versprochen.)

Unter anderem (vielem anderen) wühle ich für die zu schreibende Geschichte nun nämlich wieder einmal in der Post-Punk-Truhe, in dem, was in den späten 1970ern und frühen 1980ern musikalisch und ideell aus dem Punk hervorging. In jenen Jahren war ich zwischen 8 und 13 Jahre alt, tastete mich an die Adoleszenz erst heran. Nein, ich war eindeutig nicht dabei, gehörte als musikinteressiertes Schulmädchen aber zu denjenigen, die mit dem (völlig bescheuerten) Musikindustrie-Begriff Neue Deutsche Welle (NDW) vertraut waren, via TV und Radio.

Ein sehr geiles Stück aus jener Zeit, es wurde als “NDW” wahrgenommen, ein breit bekannter Chartshit von damals ist das folgende von Rheingold. Musikalisch wirkt es sehr frisch, also: heute, in diesen Tagen wieder. Neulich wurde es hier in Berlin bei einer Rafael-Horzon-assoziierten After-Empfang-Club-Party aufgelegt, und die anwesenden, äh, kunstaffinen Mittzwanziger bis Mittdreißiger, die nochmals jüngeren Brüder & Schwestern der eiskalten Kreativwirtschaftsära gingen extrem darauf ab. (Man beachte: Das zukunftsweisende Instrument, das Keyboard, wurde hier von einer Frau bedient, sie heißt Brigitte Kunz):

Brigitte Kunz am Keyboard – ja – überhaupt war jene Zeit bzw. eben das Post-Punk-Universum ein(e) höchst interessante(s), nicht nur, was die Sounds angeht, sondern auch die Posen, die Haltung(en), die textliche Kritik an den Verhältnissen, insbesondere auch am Geschlechterzirkus. Ganz schlimm verkürzt ausgedrückt (Ausführlicheres folgt dann eben noch): In der Szene (so sprach man damals) versuchten Männer und Frauen, Girls & Boys, partners in crime zu sein. Es war das erste popkulturelle Feld, in dem Männer klar und deutlich darüber sprachen, dass sie keine Lust mehr auf das Nachkriegsgenerationen-Modell “Papa-schafft-mit-dem-Aktenköfferchen-Konsumentenkohle-heran-und-kriegt-zur-Belohnung-einen-Herzinfarkt-zum-60.-Geburtstag” hatten, so wie Frauen Gegenentwürfe zum Panorama “Ich-konzentriere-mich-auf-Wohnungsdeko-Ehegatten-und-Kinder-Verwaltung-und-das-Studium-von-Ernährungstipps-und-Sonderangeboten” formulierten. (Manche Jüngere denken heute interessanterweise wieder genau andersherum, aber ach, das führt hier jetzt zu weit.)

Wie stark mich Duktus und Diskurs jener Tage doch bis heute beschäftigen (da scheint etwas, nun ja, gepflanzt worden zu sein), lässt sich in verschiedenen Texten nachlesen, fällt mir gerade auf. Etwa in einem kleinen F.A.S.-Stück über die Kunst von Werner Büttner – oder in einem kurzen Freitag-Text über die Lyrik von Wolfgang Dietrich – oder in einem schön langen Buch-Beitrag über das Verhältnis des Schriftstellers Wolfgang Welt zu den Frauen der frühen 1980er Jahre.

Sogar in Detroit, wo es ja v.a. um Techno und Soul geht, unterbrach ich meine Recherche für einen Abend, um die gar nicht amerikanische, sondern britische Post-Punk-All-Girl-Band The Raincoats bei einem raren Revival-Auftritt live zu hören und sehen (es ist im Buch kurz angerissen). Überhaupt gab es etliche All-Girl-Bands in jener Zeit und Sparte, einigermaßen bekannt sind z.B. Malaria! aus Berlin und The Slits aus Großbritannien, weniger bekannt vielleicht Östro 430 aus Düsseldorf (denen hier bei Youtube auch das doofe “NDW” aufgedrückt wird, pfff):

Und es gab zahlreiche geschlechtergemischte Bands, in denen Frauen entscheidende Parts übernahmen, etwa die Au Pairs mit der stilprägendenden Lesley Woods, oder die Talking Heads mit Bassistin Tina Weymouth oder (allerdings etwas später und anders, jaja) Sonic Youth mit Kim Gordon. (Im Frühjahr erschien Kim Gordons Autobiografie GIRL IN A BAND auf Deutsch, der Geschlechterzirkus ist auch dort ein Riesenthema, aber ich fand es nur mittelgut.) Zu hiesigen geschlechtergemischten Post-Punk-Bands zählen etwa Bärchen und die Milchbubis, die, haha, so klangen:

Was die Sound-Tendenzen angeht, so wurde und wird vieles aus der Post-Punk-Ära in jüngster Zeit von Bands und Publikum (und mir) also gerade wiederentdeckt – und ich muss dazu schon auch sagen: Ganz entspannt kann ich die Musik nicht sehr lange am Stück hören, es ist schon sehr hektisch und zappelig, das meiste, und die für den Post-Punk typische Verbindung von Punk und Funk oder auch von Punk und Dub/Reggae ist eine … auch … ziemlich schwierige, finde ich – oh ja. Es ist durchaus eine Art Lieblingsmusik für mich, aber eher wegen Pose, Haltung und Idee als wegen des (oft nervötenden) Sounds.

Um langsam die Schlusskurve dieses brutal mäandernden Blogeintrags zu erreichen (tausend Bands sind nicht mal erwähnt!), jetzt kurz noch dies: Die Band FAMILY 5, die sich 1981 um Peter Hein (davor und danach bei Fehlfarben) und Xao Seffcheque (der sich damals schön glamourös fotografieren ließ) formierte, ist eine reine Männerband – eine, die so etwas wie Soul-Punk spielte und in ihren Texten ebenfalls hie und da das geschlechtliche partners-in-crime-Prinzip thematisierte. Auf diesem Foto sehen Sie die zwei Family-5-Platten, die ich besitze – und daran angeschmiegt zwei CDs, die mich erst vor wenigen Tagen erreichten:

Family 5 klangen vor 30 Jahren zum Beispiel so:

Die Family-5-CDs erreichten mich nun über das berühmte blauweiße Sozialportal, nachdem ich auf meiner dortigen, äh, Pinnwand ein frühes Family-5-Stück gepriesen hatte, das sich leider nicht in meinem Regal befand. Xao Seffcheque bekam Wind davon (bedeutet: Ich spielte mich beim Portal penetrant damit auf, es war ein kaum getarnter Erschleichungsversuch meinerseits) und sandte mir die CDs zu (auf der blauen ist das Stück drauf) – wofür dem Mann hiermit ein herzliches muchas gracias! zuzurufen ist.

Der frühe Family-5-Song, der mich all die Jahre (im Kopf) begleitet hat (und jetzt endlich mir gehört), trägt den schlichten Titel Katja. Ein sehr junger Mann nahm es dem sehr jungen mir einmal auf eine Kassette auf. Der Text enthält praktisch alles, was ich hier jetzt spontan und umständlich zusammengenuschelt habe, die partners-in-crime-Sache des Post-Punk eben.

Leider ist Katja im Internet nirgends zu hören, der Text geht jedenfalls so,
und damit so long für heute,
immer euphorisch, immer die Ihre: KK

Tagein, tagaus hing sie mit uns herum
wir soffen zusammen, doch keiner kriegt sie rum
wenns einem dreckig geht weiß sie nen Rat
doch keiner nimmt Rücksicht wenn sie Scheißlaune hat

Lange schon wars um mich geschehn
ich mußte sie einfach jeden Tag sehn
Katja, Katja

Sie hat keinen Job, drum spielt sie mit uns
mancher denkt, sie wär einer von den Jungs

Auch ohne Schicki Fummel sieht sie super aus
und wenn die Musik stimmt, lässt sie die Sau raus

Ist das etwa alles, was ich vom Leben will
sie wiederzukriegen ist mein Ziel
Katja, Katja

Das weiße Stottern

Die Bürgerrechtsaktivistin, Humanwissenschaftlerin und Philosophin Angela Davis (in den frühen 1970er Jahren)
Die in jeder Hinsicht echte Bürgerrechtsaktivistin und Philosophin Angela Davis (in den frühen 1970ern)

Neu in der Zeitung (ab morgen, 25.6.): ein Beitrag zum Fall Dolezal, zur viel diskutierten Geschichte der US-Bürgerrechtsaktivistin Rachel Dolezal, weiß geboren, die sich mit Bräunungscreme und Dauerwelle jahrelang als “schwarze Frau” ausgab, wie nun herauskam. Nur ein paar Überlegungen … die an vielen Stellen ausführlicher hätten ausfallen sollen und müssen … – allein: Es gab in der Zeitung nicht mehr Platz. Ab sofort jedenfalls online beim Freitag oder online im Archiv zu lesen.

Im weitesten Sinne zum Thema noch drei spontan aus dem Regal gegriffene Bücher:

Ein Klassiker: DER SCHWARZE TRIBUN. Malcolm X. Eine Autobiographie – hier in einer Ausgabe, die nur noch antiquarisch zu haben ist – hg. von Alex Haley, mit einem Vorwort von Klaus Harpprecht

Ein irritierendes neues: KRITIK DER SCHWARZEN VERNUNFT von Achille Mbembe

Ein anschauliches: STYLE POLITICS. Mode, Geschlecht und Schwarzsein in den USA, 1943-1975 von Philipp Dorestal

RASENDE RUINEN auf Rügen
Exklusiv für Sie fotografiert (8)

Nachdem wir gestern in Greifswald über Farben diskutiert haben, ist heute zu sagen: Die Farbe Blau hat, auch wenn sie eine Konsensfarbe ist, selbstverständlich ihren Charme. Im Idealfall sieht sie so aus:

In der blau-blauen Ostsee liegt die Insel Rügen. Soeben waren wir erstmalig dort und können nun bestätigen: Ja – es herrschen dort tatsächlich Caspar-David-Friedrich-eske Verhältnisse.

Kreidefelsen von oben betrachtet:

Kreidefelsen von unten betrachtet:

Steine sind der Sand von übermorgen.

Oben auf der Steilküste im Nordosten der Insel liegt der Nationalpark Jasmund, ein Naturschutzgebiet, das man sehr angenehm durchwandern kann. Bäume, Tiere, Felder: Die Urbanistin – grundnaiv wie sie ist – flippt da schier aus vor alleraufrichtigster Begeisterung.

Ich meine: Kornblumen! Wow!

Mit dem sagenhaft berühmten Buch RASENDE RUINEN gastierten wir zwischendrin in der Inselhauptstadt Bergen, bei einer Lesung, auf Einladung der Rosa Luxemburg Stiftung. Dann wollten wir mal sehen, ob sich unsere RUINEN mit den Rügener Ruinen anfreunden können, und brachten sie darum an die oft fotografierte, mehrere Kilometer lange, seit der Wende bis heute (noch) weitgehend leerstehende Monster-Ruine Prora – einst von den Nazis errichtet, später von der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR genutzt. (Wir dürfen vielleicht schon vorwegnehmen: Nein – unsere Detroiter RUINEN und die Monster-Ruine wurden keine Freunde. Da herrschen doch extreme Mentalitätsunterschiede.)

In einem der Prora-Kolosse ist ein privatwirtschaftlich unterhaltenes Museum untergebracht – “20 Fernsehteams bestätigen: Hoher Informationswert. Besucherfreundlich” heißt es auf dem Begrüßungsschild – auf dem die einzelnen Museums-Bereiche in je eigener Typografie gehalten sind – was man nicht unbedingt “feinsinnig” nennen muss. Der Abschnitt “Kdf-Museum” (“Kraft-durch-Freude-Museum”) ist zum Beispiel in Fraktur-Antiqua-Sütterlin-artigen Lettern gehalten, wie sie im Nationalsozialismus gern gebraucht wurden, während der Abschnitt “Wiener Caféhaus” (ein Kapitel für sich, wenn man drinnen war) in jugendstiligen Buchstaben angekündigt wird. Alles in allem, und auch das jetzt schon vorweggenommen: Es ist das mit Abstand absurdeste Museum, das wir je besucht haben. Unbeschreiblich absurd.

Über die vergangenen 80 Jahre sind drei verschiedene Regimes über die Insel Rügen gewalzt. Drei verschiedene Regimes mit drei verschiedenen Plänen für Prora.

Hochgezogen wurde der Monsterkomplex von den Nazis, zwischen 1936 und 1939 – als Massen-Ferien-Standort nach dem “Kraft durch Freude” (KdF)-Prinzip. Wikipedia umreißt jenes Prinzip so: “Die nationalsozialistische Gemeinschaft Kraft durch Freude (KdF) war eine politische Organisation mit der Aufgabe, die Freizeit der deutschen Bevölkerung zu gestalten, zu überwachen und gleichzuschalten.” 20.000 Menschen sollten in Prora gleichzeitig ihre Ferien verbringen können – im “Seebad des deutschen Arbeiters”, wie damalige Werbeprospekte es nannten.

“Feinsinnig” ist, wie gesagt, nicht das Attribut, mit dem die Gestaltung des Prora-Museums zu belegen wäre. Dafür erzählt das Museum womöglich sehr viel mehr, als es eigentlich beabsichtigt. Anders ausgedrückt: Das Prora-Museum konzentriert sich im Wesentlichen auf eine Komplett-Verklärung der DDR-Vergangenheit, insbesondere der NVA – und in der so gut wie unkommentierten, völlig fahrlässigen, grellen Grobheit, mit der sowohl NVA-Devotionalien, als auch Dokumente des Nationalsozialismus ausgestellt sind, ergeben sich … erstaunliche Parallelen in den Eindrücken – vor allem, was die Rhetoriken der beiden Regimes angeht, die sich in Prora sozusagen die Klinke in die Hand gaben. !!! Anmerkung – wichtig wichtig wichtig !!! : Nein – der Nazi-Terror ist mit keinem anderen Terror zu vergleichen, das soll hier keinesfalls behauptet werden! Folglich: Nein – der real existierende Sozialismus, wie er in der DDR gespielt wurde, ist nicht mit dem Nationalsozialismus vergleichbar. Aber es gibt ein Aber: Beide Regimes haben den deutschen Arbeiter brutal missbraucht, in ihren Bildern und Wortspielen, beide haben den deutschen Arbeiter zu ihrem Propaganda-Protagonisten erklärt, beide haben den deutschen Arbeiter insgesamt ordentlich ins Knie gerummst. Im Museum liegen das “KdF-Urlauberzimmer” und das “NVA-Urlauberzimmer” für den jeweiligen deutschen Arbeiter dann auch unmittelbar nebeneinander:

Für den “Schutz der Arbeiter- und Bauernmacht” galt es, die “Bibliothek des Sieges” zu studieren:

Ungezählte farbenfrohe Bildbände laden in allen Ecken des Museums zum gebührenfreien Blättern ein. “Soldat im Osten” heißen die nostalgischen NVA-Epen, oder “Meine Zeit”. Akute Würgegefühle lassen sich angesichts dieses militaristischen Megakitsches nicht vermeiden.

Militaristisch-martialisch mutet auch der Ausweis-, Urkunden-, Ordens-Klimbim an, der den zivilen DDR-Alltag durchzog. Für jeden Mist ein Wimpel, für jeden Belang ein staatlicher Stempel, für jeden Pipifax ein Kader-Sternchen. Puh.

“Der Sozialismus – Deine Welt”. Nö, glücklicherweise nicht. Und dann steht da doch tatsächlich ein Globus daneben, im Museum, ein Erdball mit all den interessanten Orten, die ein DDR-Standardbürger nicht besuchen durfte. (Seine Nationale Volksarmee passte scharf darauf auf.) Und was lernen wir daraus? Irony is not over, auf dem Gebiet der früheren DDR jedenfalls noch nicht.

Mittlerweile hat das dritte Regime die Geschicke von Prora übernommen: der fortgeschrittene Kapitalismus. Der deutsche Arbeiter heißt jetzt Verbraucher oder Konsument (oder, speziell im Immobilien- und Geldanlagegeschäft, Client). Das folgende Foto ist keine Collage – die beiden Haushälften (Prora-Ruinenabschnitt und Prora-Sanierungsabschnitt) stehen so nebeneinander, wie hier zu sehen.

Statt politisch konnotierter Fahnen hängen jetzt aufreizende Vorzugsangebote in Prora. Zoom auf eines der im Sanierungsabschnitt aufgestellten Verkaufsplakate:

Rechts unten: Musterwohnung unter schwarzrotgoldener Flagge – Links unten: Immobilienmakler und Interessentenpärchen auf Segways (sollte ich jemals herausfinden, dass der Mann, auf den ich stehe, auf einem solchen Ding steht, würde ich von jener Sekunde an nicht mehr auf ihn stehen). Makler und Interessenten fahren nach der Musterwohnungsbesichtigung die kilometerlange Anlage entlang, des Gesamtüberblicks wegen. Der Makler spricht, im langsamen Vorbeirollen auch für eine Fußgängerin gut hörbar, von einem “Concierge-Service”, der “Schutz vor der Öffentlichkeit” biete. In einem der eilig eröffneten, noch kaum besuchten Milchkaffee-Cafés im sanierten Teil von Prora führt eine Viertelstunde später ein offensichtlich im Immobiliengeschäft tätiger Mann um die 50 mit westdeutschem Akzent ein Telefonat, das am Nachbartisch wiederum von der sich ausruhen wollenden Fußgängerin mitgehört wird. Es geht um eine “Frau Schleicher”, die unbedingt “den Rolls Royce unter den Brüstungen” haben will, weshalb sie jetzt mit 8.000 bis 10.000 Euro Zusatzkosten rechnen müsse, was besagte Frau Schleicher allerdings nicht einsehen wolle, weswegen demnächst da jetzt noch mal länger telefoniert werden müsse, leider.

Gesamteindruck Prora: alles kurz vorm Burn-out.

Der Ostsee lässt all das Geplapper anstandslos über sich ergehen, die ganzen Regime-Rhetoriken sind ihr tatsächlich piepegal.

Vom (superfantastischen) Proraer-Strand kann man etwa 4-5 Kilometer zum Ortskern Binz spazieren. Je weiter man sich diesem nähert, desto mehr nimmt die Strandkorbdichte zu.

Schließlich folgen Strandbars und -Buden.

Dann ist man drin, in Binz – was man vergessen kann, am besten ganz schnell wieder. Doof, überlaufen, mit solcher Gewalt auf Urlauberparadies gebürstet, geputzt, zusammengeklebt, dass es bei einem erwachsenen Menschen mittelprächtiger Intelligenz nichts außer Beklemmung hervorruft.

(Ganz anders (!) als der Norden der Insel, der Nationalpark, die Kreidefelsen – dort ist es wirklich sehr schön, siehe den Beginn dieses Blogbeitrags.).

Das Beste an Binz ist seine Seebrücke, mit dem Fernglas an der Spitze, mit dem man weit weg gucken kann.

Killerbild zum Schluss: Kein Photoshop – sondern der Sonnenuntergang über dem Kap Arkona ganz im Norden, von gegenüber, vom Örtchen Lohme aus betrachtet. Ja, so ist es da. Guten Abend.